Frau Wagenknecht, mit einem Bündnis von PDS und WASG wäre der Wiedereinzug einer linken Kraft in den Bundestag zweifellos gesichert. Elektrisiert Sie diese Aussicht?
Natürlich ist es wichtig, dass wir gemeinsam antreten und dadurch im neuen Bundestag eine starke linke Kraft vertreten ist. Denn egal, ob eine große Koalition oder Schwarz-Gelb das Land ab Herbst regiert, der verheerende soziale Kahlschlag, den Kanzler Schröder eingeleitet hat, wird weiter gehen. Umso mehr muss sich dagegen Widerspruch regen. Und das geht nur, wenn die PDS wieder in Fraktionsstärke im Bundestag sitzt.

Sie sprechen nur von der PDS. Tatsache ist, dass Ihre Partei im Westen nicht Fuß fasst. Wie soll das Bündnis mit der WASG organisiert werden?
Das Problem ist, dass die von Oskar Lafontaine vorgeschlagene Listenverbindung rechtlich gar nicht möglich ist. Der einzig gangbare Weg sind nach meiner Auffassung offene Listen der PDS, auf der auch Mitglieder der WASG kandidieren. Alles andere wäre ein Vabanquespiel mit der Gefahr, dass am Ende gar keine linke Kraft auf dem Stimmzettel steht. Ich hoffe deshalb auf die Einsicht der WASG, gemeinsam anzutreten und das Angebot der PDS für offene Listen anzunehmen.

Eine gemeinsame Dachpartei für die Wahl, wie sie die WASG anstrebt, scheidet aus?
Eine Neugründung muss man sich gut überlegen. Die PDS ist im Osten natürlich auch als PDS ein Name, der nicht vom Stimmzettel verschwinden darf. Auch besteht die Gefahr, dass eine ausschließlich zu Wahlzwecken gegründete Partei am deutschen Wahlrecht scheitert.

Wäre eine Parteineugründung nach der Wahl denkbar?
Spekulationen über eine neue Linkspartei, die über ein Wahlbündnis hinausgehen, halte ich beim gegenwärtigen Diskussionsstand für ziemlich verfehlt. Bevor ich mit jemandem in eine gemeinsame Partei gehe, muss mehr geklärt werden als die gemeinsame Ablehnung von Hartz IV. Die PDS ist ja nicht nur Anti-Hartz-Partei, sondern sie stellt das kapitalistische Gesellschaftssystem und seine Wirtschaftsstruktur infrage. Da geht es um die sozialistische Perspektive. Hier sind die Gemeinsamkeiten mit der WASG überhaupt noch nicht geklärt.

Und eine gesamtdeutsche Perspektive ist Ihnen politisch weniger wichtig?
Sicher muss die PDS überlegen, sich möglichst im Bündnis mit anderen Gruppierungen im Westen stärker zu verankern. Aber ich sehe nicht, warum es dazu einer Parteineugründung bedarf. Im Gegenteil. Die Gefahren wären deutlich größer als die Chancen. Das, was die PDS einzubringen hat, nämlich Strukturen und Verankerung, könnte kaputt gehen. Im Osten kommt die PDS auf 20, 30 und mehr Prozent. So etwas gibt man nicht auf für eine völlig ungewisse Perspektive.

Welche Rolle sollte Oskar Lafontaine bei einem möglichen Linksbündnis spielen?
Lafontaine muss selbst wissen, ob er so weit gehen würde, auf einer offenen Liste der PDS zu kandidieren. An der PDS wird das nicht scheitern. Um es klar zu sagen: Um Lafontaines Willen muss man keine neue Partei gründen. Denn bei aller Wichtigkeit des Zusammengehens stehen Gewinne und Verluste in keinem Verhältnis.

Mit
SAHRA WAGENKNECHT
sprach Stefan Vetter