Er dachte und handelte gegen den Strom, rieb Salz in offene Wunden und trotzte den Autoritäten. Andererseits machte er der jungen Nachkriegsgeneration auch mächtig Lust auf Politik. Der Mitbegründer der "Bekennenden Kirche" in der NS-Zeit und erste hessen-nassauische Kirchenpräsident starb vor 25 Jahren, am 6. März 1984, in Wiesbaden. Begraben ist er in Wersen bei Osnabrück, der Heimat seiner Vorfahren. Niemöller sprach im Nachkriegsdeutschland über Schuld und Verantwortung, bekannte sich öffentlich zu seinen eigenen Fehlern und zu den Fehlern der Kirche. Und mischte sich mit der Bergpredigt Jesu politisch ein. Sein Kompass ist seit seinem neunten Lebensjahr die Frage "Was würde Jesus dazu sagen?" So geleitet wird er zum Anwalt für die Länder des Südens, spricht im Kalten Krieg von Feindesliebe und "bohrt Brücken der Versöhnung in den Eisernen Vorhang", wie Martin Stöhr formuliert, Theologe und Vorsitzender der Niemöller-Stiftung. Dabei lernt Niemöller, geboren am 14. Januar 1892 im westfälischen Lippstadt, schon früh Zucht und Ordnung, Vaterlandsliebe und Obrigkeitshörigkeit. Kein Wunder also, dass der Sohn des kaisertreuen lutherischen Pfarrers Heinrich Niemöller und seiner Frau Paula unmittelbar nach dem Abitur als Seekadett in die Kaiserliche Marine eintritt. 1920 beginnt er in Münster Theologie zu studieren. Als Pfarrer und Geschäftsführer bei der Inneren Mission in Westfalen (1923-1931) sympathisiert er mit den Nationalsozialisten. Doch die kirchenfeindlichen Einstellungen der Nazis lassen ihn auf Distanz gehen. Die Kirche Jesu Christi, so seine Überzeugung, hat einzig und allein auf das Wort Gottes zu hören. 1931 wird Niemöller Gemeindepfarrer in Berlin-Dahlem. Dort gründet er zusammen mit Gleichgesinnten wie dem 1945 von den Nationalsozialisten ermordeten Dietrich Bonhoeffer den "Pfarrernotbund", Vorläufer der "Bekennenden Kirche". Als Niemöller im Januar 1934 zusammen mit anderen führenden Mitgliedern des Pfarrernotbundes versucht, den Rücktritt des deutsch-christlichen Reichsbischofs Ludwig Müller durchzusetzen, kommt es zum Bruch mit Hitler. Der charismatische Nie möller erhält Predigtverbot, das er jedoch ignoriert. Gestapo-Bespitzelungen und -verhöre und die rund 40 Verfahren gegen ihn machen ihn aber nicht mürbe.Seelisch und körperlich ungebrochen, beteiligt er sich nach 1945 am Aufbau eines neuen, demokratischen Deutschlands. Mit der ihm eigenen Unnachgiebigkeit wendet er sich gegen die Wiederbewaffnung und das Wettrüsten der Großmächte. 1964 legt er sein Amt als Kirchenpräsident nieder und widmet sich fortan intensiver dem Engagement für den Frieden.