Sergej Motz, Florian Pauli, Mischa Meier. Kleine Bronzetafeln hängen an einer Ziegelsteinmauer im Wald von Schwielowsee bei Potsdam. Sie tragen die Namen von Gefallenen. Im fernen Kundus hatten ihre Kameraden im Feldlager einen Ehrenhain für sie gebaut. Beim Abzug hat ihn die Bundeswehr demontiert - und in den vergangenen Wochen auf dem Gelände der Henning-von-Tresckow-Kaserne, dem Sitz des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, wieder errichtet.

Nun ist der Ehrenhain von Kundus ein Teil des "Waldes der Erinnerung" - einer am Samstag von Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eingeweihten Gedenkstätte für die in ihrem Dienst ums Leben gekommenen Bundeswehrsoldaten. "Ich war keine Woche im Amt, da stand ich das erste Mal vor dem Ehrenhain im Feldlager", sagt Ursula von der Leyen. "Es war kalt, die Flaggen der Nationen wehten im Wind, wir beteten mit den Militärseelsorgern. Ich werde den Moment nicht vergessen."

Für Soldaten im Einsatz seien die Ehrenhaine das emotionale Herzstück jedes Camps, sagt die Ministerin. Deswegen habe man sie mit nach Deutschland gebracht. Orte wie dieser, an dem sich so authentische Erinnerungen bildeten, kann man nicht einfach abbauen wie ein Feldlager, so die Ministerin. "Sie müssen bleiben." Die Gedenkstätte sei ein Versprechen, "dass wir keinen der Männer und Frauen je vergessen, die ihr Leben gelassen haben im Dienst der Bundesrepublik." Auch deswegen solle man in der Öffentlichkeit wieder stärker über die Größe und die Tragweite des Todes sprechen. "Und auch von der Hoffnung, dass wir uns eines Tages wiedersehen werden." Neben den Ehrenhainen aus den Feldlagern besteht die Gedenkstätte aus einem Informationszentrum, das die bisherigen Auslandseinsätze der Bundeswehr beschreibt. Es schließt sich ein "Weg der Erinnerung an", der von gemauerten Stelen gesäumt wird. Auf ihnen finden sich die Namen aller 104 im Auslandseinsatz Verstorbenen. Am Ende gibt es einen "Ort der Stille", an dem Angehörige in Ruhe ihrer Toten gedenken und ein stilles Gebet sprechen können. Und an den umstehenden Bäumen können Freunde und Verwandte Namenstafeln zur Erinnerung an in Deutschland ums Leben gekommene Bundeswehrangehörige anbringen.

Vertreter von Angehörigen nutzen die Einweihung des Denkmals indes auch zur Kritik. So mahnte Tanja Menz, die Mutter des 2011 bei einem Anschlag in Afghanistan ums Leben gekommenen Konstantin Menz, für künftige Bundeswehreinsätze mehr Offenheit und Transparenz über Einsatzziele an. "Ich wünsche mir, dass es niemals nötig wird, dass wir in diesem Wald Platz für weitere Ehrenhaine schaffen müssen."

Zum Thema:
Seit 1993 sind 104 Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen ums Leben gekommen. 37 davon wurden bei Anschlägen oder in Gefechten getötet. Die meisten Toten hat die Bundeswehr in Afghanistan zu beklagen. Dort kamen 55 deutsche Soldaten ums Leben. Dahinter folgen die Einsätze im Kosovo (27 Todesfälle) und Bosnien (19).