Rund 11 000 Lehrer, Polizisten und andere Angestellte des Freistaates sind durch die Altstadt vor die schweren Holztüren des Finanzministeriums marschiert, um ihre Lohnforderungen vorzutragen. Es ist die größte Demonstration in Sachsen. Im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes sind am Mittwoch Tausende Lehrer in den Ausstand getreten. Nachdruck verleihen sie ihrer Lohnforderung mit lautstarkem Protest vor dem Dresdener Finanzministerium. Auf dem Lausitzer Platz in Hoyerswerda versammeln sich rund 300 Lehrer aus Weißwasser (Kreis Görlitz) und Hoyerswerda (Kreis Bautzen). An den meisten Schulen der Zuse-Stadt fällt der Unterricht aus. "Bei Pisa Platz 1. Beim Lohn die Letzten" hat ein Lehrer in Dresden aufs Transparent geschrieben. Andere tragen den Spruch "Schule ist eine Bank - hier lohnt es sich zu investieren" vor sich her. Jemand hat eine Handvoll Cent-Münzen auf die Treppe des Ministeriums geworfen. Zwar werden die Tarifgespräche für die 700 000 Beschäftigten der Länder erst Ende nächster Woche in Potsdam fortgesetzt, doch vor den Ferien wollen Sachsens Lehrer ihrem Unmut über die "Blockadehaltung" der Arbeitgeber noch einmal Luft machen - ähnlich wie die Beschäftigten anderer Bundesländer. Im Konzert der bundesweiten Tarif-Trommler fordern auch die Sachsen acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro. An Hunderten Schulen fällt dafür der Unterricht zwei Tage lang aus. Nach GEW-Angaben werden landesweit mehr als 600 Schulen bestreikt. "Bei den Verhandlungen hat sich bisher nur der Ventilator bewegt, nicht aber die Arbeitgeber", ruft der Vize-Chef der dbb-Tarifunion, Willi Russ, von der Ladefläche eines Mietlasters. Außerdem müsse 20 Jahre nach dem Mauerfall endlich auch die letzte Tarifmauer fallen, fordert er. Auch die anderen Gewerkschaften sagen, was sie sagen müssen an solch einem Tag. "Wir sind nicht die Sparschweine der Nation" (DGB-Chef Hanjo Lucassen). "Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes haben mit ihren Reallohnverlusten die öffentlichen Haushalte saniert." (Verdi-Bezirksleiter Werner Theiss). Abgekoppelt von der privaten Wirtschaft seien sie, die Staatsdiener - doch Wahljahre seien eben auch Zahljahre. Tatsächlich haben große Teile der sächsischen Lehrerschaft in den vergangenen 15 Jahren wegen des Geburtenknicks Teilzeit gearbeitet. Der Angesprochene, Finanzminister Georg Unland (parteilos), ist derweil im Urlaub. Sein Staatssekretär, Wolfgang Voß, geht zwar auf die Gewerkschafter-Bühne, spricht aber nicht. Sachsen hält sich in der Tarifdebatte ohnehin zurück. Die Verhandlungen für die Tarifgemeinschaft der Länder führe der niedersächsische Kollege Hartmut Möllring, sagt Unlands Sprecher Stephan Gößl und weist darauf hin, dass jedes Prozent Lohnerhöhung den Freistaat 40 Millionen Euro kostet. Erst im Mai 2008 habe es ein Lohnplus gegeben, und die Ost-West-Angleichung von 92,5 auf 100 Prozent sei für 2010 fest vereinbart. Unter Pfiffen spricht dann der Dienstherr der Lehrer, Kultusminister Roland Wöller (CDU). Er respektiere das Streikrecht, sagt Wöller, und er hoffe auf ein schnelles Ergebnis, das die Arbeit der Lehrer anerkenne. "Ein guter Abschluss ist möglich und notwendig", sagt Wöller. Da bekommt sogar der Minister Beifall.