Frau Weltzien, wie ist im Moment die Situation in Beirut„
Mein Mann hat mir berichtet, dass ganz in der Nähe des Gemeindehauses, zweihundert oder dreihundert Meter entfernt, heute eine Bombe eingeschlagen ist. Als der Krieg losging, hatte die deutsche Botschaft im Gemeindehaus eine Zweigstelle aufgemacht, um die Heimreise für im Libanon lebende Deutsche oder Libanesen mit einer Aufenthaltserlaubnis in Deutschland zu koordinieren. Die meisten von ihnen sind jetzt in Deutschland. Aber zahlreiche Familienangehörige in Deutschland lebender Libanesen, die selbst kein Visum haben, campen in der Nähe unseres Gemeindehauses und hoffen auf eine Ausreisemöglichkeit.

Sind denn noch Deutsche im Libanon“
Es haben nicht alle Gemeindemitglieder das Land verlassen. Deutsche Frauen, die mit einem Libanesen verheiratet sind, oder ältere Menschen wollten manchmal lieber bei ihren Familien im Land bleiben. Und immer wieder tauchen in der Gemeinde Kinder auf, denen wir helfen müssen. Jugendliche, die in Deutschland leben und bei ihren Großeltern im Libanon Urlaub gemacht haben. Oder Kinder mit einem deutschen Pass, die von ihrem libanesischen Vater in den Libanon gebracht wurden, der sich dann aber bei den ersten Bombenangriffen aus dem Staub gemacht hat.

Wie kann die Gemeinde diesen Menschen helfen?
Für die Kinder haben mein Mann und die beiden Sozialarbeiterinnen zusammen mit Mitarbeitern der Botschaft nach Ausreisemöglichkeiten gesucht. Die älteren Menschen besucht er, obwohl er dadurch ständig selbst in Lebensgefahr ist, und versorgt sie mit Lebensmitteln und Medikamenten. Und dann haben wir schon vor eineinhalb Jahren im Gemeindehaus eine Praxis für Psychotherapie eingerichtet: Hier wird auch nach dem Krieg noch viel Arbeit auf uns zukommen.

Mit FRIEDERIKE WELTZIN sprach Benjamin Lassiwe