Für den Nachfolger im Amt des ersten Mannes im Lande hat der scheidende Ministerpräsident die Latte an jenem Abschiedsmontag gleich zweimal hoch gelegt. Vorgänger Manfred Stolpe und Platzeck (beide SPD) selbst seien jeweils elf Jahre im Amt gewesen. Und, das Amt des Ministerpräsidenten sei in 40 bis 50 Wochenstunden nicht zu machen. Nachfolger Dietmar Woidke (SPD) schien dies zunächst unberührt zu lassen. Als Innenminister hat er gerade mit der Erarbeitung und Durchsetzung der Polizeireform in Brandenburg so manche "Nachtschicht" bei Diskussionen vor Ort anhängen müssen.

Doch was kommt nun auf ihn zu? Die RUNDSCHAU hat Regierungssprecher Thomas Braune gebeten, sich an einen "ganz normalen Tag" im Terminplan von Matthias Platzeck zu erinnern. Braune schildert den 6. Juni dieses Jahres: Bevor um zehn Uhr die Landtagssitzung beginnt, trifft der Regierungschef mit Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) zu einem Arbeitsfrühstück zusammen. Es folgt die Debatte zur Hochwasser-Lage an Elbe und Schwarzer Elster. Die Botschaft des Deichgrafen beruhigt. Brandenburg habe alles unter Kontrolle.

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Dossier Matthias Platzeck/span Es geht auf Mittag zu. Die Parlamentarier drängen in die Kantine. "Wenn die Abgeordneten im Landtag Mittag machen, hat der Regierungschef Termine", verweist Braune auf das an diesem Tag angesetzte Gespräch mit Altbischof Wolfgang Huber. Danach, ab 14 Uhr, muss Platzeck für zwei Beratungen gewappnet sein. Denn der Präsidi-alausschuss des Flughafens BER, dessen Aufsichtsratschef er ist, verlegt seine Tagung extra in den Landtag. Platzeck muss den Plenarsaal verlassen, wenn es Fragen an ihn gibt. Zu Abstimmungen sitzt er wieder im Plenum.

Nach dem Landtag geht es an der Hochwasser-Front weiter. In der Prignitz verschafft sich der Ministerpräsident bei einem Überflug der Elbe-Region selbst einen Überblick. Jetzt geht es im Stundentakt weiter. 18 Uhr: Hochwasserlage-Besprechung im Bad Wilsnacker Ortsteil Sandkrug; 19 Uhr: Besuch bei freiwilligen Helfern am Sandabfüllplatz Wittenberge/Ölmühle; 20 Uhr: Lagebesprechung im Zentrum für Katastrophenschutz Perleberg; 21 Uhr: interner Termin und danach Pkw-Rückfahrt aus der Prignitz nach Potsdam - Ankunft kurz vor Mitternacht.

Interaktive Infografik zur politischen Karriere von Matthias Platzeck

Infografik: Wichtigste Etappen in Platzecks politischer Karriere Damit dieser 6. Juni nicht als große Ausnahme daherkommt, schildert der Regierungssprecher Braune, wie sich der Tag gestaltet hätte, wenn es kein Hochwasser gegeben hätte. 16 Uhr: Treffen mit dem Präsidenten einer Regionaldirektion für Arbeit; 17 Uhr: Rede beim Parlamentarischen Abend des Landtages; 18 Uhr: Rede bei der Festveranstaltung der Max-Planck-Gesellschaft; 19 Uhr: Rede beim Gartenfest der Handwerkskammer Potsdam; 20 Uhr: Bundesratsvorbereitung mit anderen Ministerpräsidenten in Berlin; Rückkehr in Potsdam um 23 Uhr.

Am Wochenende vor seinem Kreislaufkollaps, der in der Klinik als leichter Schlaganfall diagnostiziert worden war, hat Matthias Platzeck in Forst (Spree-Neiße) die Deutsche Rosenschau eröffnet, ist immer wieder vor Ort in den Hochwasser-Gebieten unterwegs gewesen und hat am Sonntag (16.6.) als Gast an der Talksendung von Günther Jauch zum Thema Hochwasser teilgenommen.

Am Tag nach dem Rücktritt von Matthias Platzeck zollen ihm immer mehr Weggefährten Respekt. Denn über Krankheit reden Politiker eigentlich nur ungern - sie könnte als Zeichen von Schwäche gedeutet werden. Mit seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen rüttelt Brandenburgs Regierungschef nun an einem Tabu. Mit seinem Schritt könnte er sich als Vorbild für die deutsche Leistungsgesellschaft erweisen. Ein Leben als "Workaholic"? Platzeck habe der Droge Politik entsagt, schrieb die "Berliner Zeitung" am Dienstag.

Ein Leben, in dem es fast nur um Arbeit geht, könne und wolle er nicht mehr führen. 80 Stunden in der Woche wie bisher arbeiten? "Vergiss es."