„Ich singe nicht, weil ich dafür bezahlt werde. Das habe ich nicht mehr nötig. Ich singe für Gleichgesinnte. Ich singe, weil ich es muss – wie der Maler, sein Bild malen muss, unabhängig davon, ob es vielen Leuten gefällt, ob es gekauft wird“, sagte Degenhardt einmal. Gekauft wurde vor allem sein Lied „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, dass er 1965 veröffentlichte und das zu seiner „Erkennungsmelodie“ wurde.

Es seien die Dienstboten, so postulierte er einmal, die nach der Weisheit lebten: Nur wer sich verändert, bleibt sich treu. Zu diesen gehörte „Väterchen Franz“, wie er schon als Junger genannt wurde, seit einigen Jahrzehnten nicht mehr. Und so konnte er es sich leisten, sich treu bleiben, ohne sich zu verändern.

„Es gibt Musik, die den Menschen die Möglichkeiten aufzeigt, dass etwas anders sein sollte, anders sein könnte“, sagte Degenhardt im Jahr 2002. Und nein, es gebe keine unpolitischen Lieder. „Selbst wenn ein Popsänger die Schönheit der Welt besingt, so ist dies doch eminent politisch“, sagte er. Und weil alles politisch ist, bekam damals auf dem vorletzten Album auch Joschka Fischer, eine andere eine Ikone der 68-er, sein Fett weg, genau wie jene, die den 11. September 2001 für eine Zeitenwende hielten.

Mit einer gewissen Resignation vermerkte er, dass das linke Lied inzwischen keine richtige Resonanz mehr finde. Zwar sei das Lied eindeutig politischen Inhalts heute aus den großen Sälen so gut wie verschwunden, weil es keine politisch-rebellische Grundstimmung mehr gebe. Das ändere aber nicht daran, dass „das Neue“, die Entwicklung nach der Jahrtausendwende, falsch gewesen sei. „Die anderen haben gewonnen, ganz klar. Und da bleibt eine gewisse Traurigkeit.“