Betriebsräte von Vattenfall und Vertreter der Sorben und Wenden, Christen aus Schleife und Jänschwalde. "Gemeinsam für die Lausitz" hieß das Motto des Bittgottesdienstes, zu dem der Görlitzer Generalsuperintendent Martin Herche, die Cottbuser Superintendentin Ulrike Menzel und die örtliche Kirchengemeinde am dritten Advent in das Cottbuser Gotteshaus eingeladen hatten.

"Vor Gott hat die Angst, dass ohne Vattenfall die Lausitz zur wirtschaftlichen Wüste wird, genauso ihren Platz, wie die Sorge vor der Versteppung der Landschaft, die wir mit unserem Energieverbrauch bewirken", sagte Menzel.

Kirche als ein Ort des Dialogs

Die Idee zu dem Gottesdienst sei Anfang Dezember entstanden: Im Vorfeld des im kommenden Juli geplanten Lausitzkirchentags will sich die evangelische Kirche als ein Ort des Dialogs zwischen Kohlebefürwortern und Gegnern anbieten, sagte Martin Herche, zu dessen Sprengel die Tagebaue in Sachsen ebenso gehören, wie jene in Brandenburg.

Doch eine eigene Position zur Frage des Tagebaus bezogen die Kirchenvertreter am Sonntag nicht: Auch wenn die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz verschiedentlich deutlich gemacht hat, dass die Kirche selbst für den "Einstieg in den Ausstieg aus der Lausitzer Kohle" eintritt, stand im Gottesdienst die Vermittlerrolle der Kirche im Zentrum.

Das zeigte sich selbst bei den Mitwirkendendes Bittgottesdienstes: Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Vattenfall, Frank Heinze, sprach ebenso ein Gebet, wie der Pfarrer von Atterwasch, Matthias Berndt, der als ein bekennender Kohlegegner gilt.

Für das Gemeinsame stehen

"Uns eint der Wille und die Hoffnung, heute und in Zukunft in unserer Heimat gut leben und arbeiten zu können", sagte Herche. Auch in den Kirchengemeinden der Lausitz gebe es Menschen, "bei denen der Wunsch nach dem Erhalt des Arbeitsplatzes mit dem schlechte Gewissen zusammenstößt, weil andere dadurch Haus und Hof verlieren." Er spüre in Gesprächen oft die Erwartung, dass die Kirche als Gesprächspartner und Vermittler auftrete. "Energie Cottbus und der Weihnachtsmarkt sind Orte, die für das Gemeinsame stehen - wo niemand gefragt wird, ob er für oder gegen die Kohle ist", sagte Herche. "Aber das alleine reicht nicht: Ich wünsche mir, dass auch unsere Kirchengemeinden Orte sind, die vorrangig für das Gemeinsame stehen."

Der gemeinsame Glaube vereine die Menschen, ohne sie gleichzustellen. "Diese Gemeinsamkeit wird zu einer stabilen Basis und hält Meinungsstreit gut aus, wenn wir uns mit gegenseitigem Wohlwollen begegnen."