"Der Umbau Brandenburgs ist längst weiter als manche Prognose. Die Entwicklungs Ostdeutschlands verläuft viel differenzierter", sagte dazu Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) gestern der RUNDSCHAU. Er verwies etwa auf die schon lange eingeleitete Reform der Förderpolitik, die auf "Wachstumskerne" und Zukunftsbranchen ausgerichtet wurde. Um die demografischen Herausforderungen zu meistern, so Junghanns, sei "realistischer Optimismus nötig - statt demotivierender Pessimismus".
Und die Regierung beschönige die Realität nicht, betonte auch Clemens Appel (SPD), Chef der Staatskanzlei. "Ja, es stimmt: Brandenburg verliert Einwohner, insbesondere junge Frauen. Ehrlichkeit muss sein, aber Dramatisieren ist nicht hilfreich."
Wie berichtet entwickelt sich Ostdeutschland laut Berlin-Institut angeblich zu der "demografischen Krisenregion Europas". "Es ist nicht seriös, den Osten über einen Kamm zu scheren", kritisierte SPD-Generalsekretär Klaus Ness. Es werde der Realität "nicht gerecht." Ness erinnerte an ein Brandenburg-Gutachten des gleichen Institutes, in dem die Wissenschaftler 2007 eine "Wegzugsprämie" zum gezielten Leerziehen schrumpfender Dörfer gefordert hatten: "Solche Vorschläge sind jenseits der Wirklichkeit."
So ist in Politik und Regierung jetzt aufmerksam registriert worden, dass selbst nach dem neuen Europa-Gutachten - im Gegensatz zur düsteren Ostdeutschland-Prognose - weite Teile des Ostens, nämlich Brandenburg und Berlin, trotz anhaltender Abwanderung und geringer Geburten bessere demografische Aussichten haben als etwa europäische Regionen wie Sardinien, Sizilien Polen, Rumänien, die Slowakei, Bulgarien oder Südgriechenland.
Die Links-Opposition sieht die Regierungspolitik kritischer. Zwar hält auch Landeschef Thomas Nord nichts "von Demografismus", von "unsicheren Langzeitprognosen" und pauschalen Ost-Szenarien. "Das Problem in Brandenburg und anderswo ist: Es gibt aufstrebende und abstürzende Regionen. Eine tragfähige Strategie ist nicht zu erkennen."