Die Flammen seien „50, nein 40, nein 20 Meter von unserem Haus entfernt“. Was davon wahr und was übertrieben ist, kann niemand sagen. Angesichts der traumatischen Erlebnisse der Menschen, die die verkohlten Leichen ihrer Nachbarn gesehen haben, sei diese Reaktion „völlig normal“, erklären Psychologen.

Giorgos Tagaris lebt in Tholón in der am schlimmsten von den Bränden heimgesuchten Region im Westen der Halbinsel Peloponnes. Ihm ist egal, was die Psychologen sagen. Vor seiner Haustür spielt sich eine Tragödie ab. „Hier haben die Menschen das verloren, was ihre Väter, Großväter und Ur-Ur-Großväter in den vergangenen Jahrhunderten aufgebaut und kultiviert hatten“, sagt Tagaris. „Weißt Du, wie lange ein Olivenhain braucht, um wieder Oliven zu geben? Mindestens zehn Jahre! Wovon sollen jetzt diese Menschen leben?“

Auch seinem Nachbarn, Stelios Giannakopoulos, haben die Flammen die Existenz geraubt: „Ich habe 800 Zitrusbäume verloren. Ich habe nichts mehr zum Leben“, berichtet der 66-jährige Mann. Jetzt will er nur noch weg und zu seinen Kindern nach Athen ziehen. „Vielleicht kann ich als Pförtner arbeiten. Lange werde ich nach diesem Verlust sowieso nicht mehr leben“, meint er deprimiert.

Das Feuer wütet auch am Sonntag gnadenlos weiter, und die Menschen beten, dass der Wind nachlässt. Die Feuerwehrleute warten auf ein größeres „Zeitfenster“, damit massiv Löschhubschrauber und Flugzeuge eingesetzt werden können. Ein Hoffnungsschimmer ist die umfangreiche internationale Hilfe, die im Anmarsch ist. Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, die Niederlande und andere Staaten schicken mehr als 20 Flugzeuge und Hubschrauber. „Wir bedanken uns herzlich bei allen unseren Partnern in der EU und unseren Nachbarn für die schnelle Hilfe“, sagt die griechische Außenministerin Dora Bakogianni.

Die Medien des Landes bringen Wut und Trauer über die Tragödie auf drastische Weise zum Ausdruck. Die linksliberale Zeitung „Eleftherotypia“ erscheint am Sonntag mit einer rußschwarzen Titelseite. Unten rechts steht in glutroten Buchstaben: „Es fehlen die Worte“. „Trauer und Zorn“ heißt die Schlagzeile in „Ethnos“: Trauer für die mehr als 50 Toten, Zorn für die Brandstifter, aber auch für die miserable Organisation des Zivilschutzes und der Feuerwehr, hieß es. Das konservative Blatt „Eleftheros Typos“ druckt ein Foto eines verbrannten Baumes auf der ersten Seite und darunter die Zeile: „Auf der Suche nach Hoffnung.“