Und er wird auch nicht nur seiner vielen größeren und kleineren Hilfen für die Wirtschaft des Ostens wegen geschätzt. Most und Platzeck einen vor allem die Erfahrungen aus einer Zeit, in der das Geld eine andere Rolle spielte und die ihrerseits mit einer Krise endete, die ein radikales Umdenken verlangte. So wundert es auch nicht, dass Matthias Platzeck ganz kurzfristig seinen Terminkalender umkrempelte, als Most vergangene Woche anrief und fragte, ob der Potsdamer vielleicht das Buch vorstellen könnte, das der Ex-Banker unter dem vielsagenden Titel "Fünfzig Jahre im Auftrag des Kapitals" geschrieben hatte. Am gestrigen Dienstag, in der vornehmen Deutsche-Bank-Filiale Unter den Linden in Berlin, lieferte Platzeck diesen für ihn durchaus üblichen Freundschaftsbeweis mit einigen Bemerkungen zur derzeitigen Lage und mit seinen neuesten Erkenntnissen zur DDR-Geschichte ab. Es begann ganz persönlich mit der Feststellung, dass der kleine Matthias P. seinen Lebensweg nicht zuletzt den Erkenntnissen eines gewissen Walter Ulbricht zu verdanken habe. "Der war manchmal fitter, als das heute oft dargestellt wird", sagt Platzeck und begründet dies mit den Versuchen des als "Spitzbart" verschrienen und gehassten SED-Chefs, aus der DDR ein Volk von Naturwissenschaftlern zu machen. Dem habe er, so Platzeck, den Besuch einer in seiner Erinnerung sehr erfolgreichen Spezialschule für Mathematik und Physik in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) zu verdanken. Diese jungen Jahre und die folgenden, dann weniger erfreulichen unter der Herrschaft Ulbrichts und vor allem seines Nachfolgers Erich Honecker, wiederum sind für Platzeck auch jenseits der rechnerischen Fähigkeiten mit Erfahrungen verbunden, die angesichts der krisenhaften Entwicklung von großem Nutzen sein können. Das wurde deutlich bei der Antwort auf die Frage aus dem Publikum, ob er das Land denn noch für reformierbar halte. Man fordere von ihm und auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ja gerne, dass "die Fähigkeit und das Tempo, uns zu wandeln, zunehmen müssen". Das sei schon deswegen fragwürdig, weil er da seine eigene Lebenserfahrung ins Spiel bringen könne. Er wisse besser als manch anderer, dass man manchmal nicht mehr einfach so weiter machen könne wie bisher. Bei gelegentlichen Besuchen in einem kleinen schwäbischen Dorf werde ihm angesichts der dort verbreiteten Gemütlichkeit immer wieder klar, dass man im Osten "in den vergangenen Jahren viel mehr auf die Beine gestellt hat." Sprachs und verschwand zur Krisenbewältigung Richtung Potsdam. Most gab ihm dafür viele gute Ratschläge mit auf den Weg - zumeist Ermahnungen, mit seinen Kollegen aus den Banken nicht so gnädig umzuspringen und dabei an die Steuerzahler zu denken.