Herr Prof. Kühhorn, welchen Stellenwert haben zehn Jahre Kooperation mit Rolls-Royce für die BTU?

Das ist eine tragende Säule, zumindest für den technischen Bereich und in der Drittmittel-Einwerbung, denn die Zusammenarbeit über die Jahre hat zu viel Geldmitteln und gleichermaßen hoch qualifizierten Absolventen geführt. Hinzu kommt, dass die Reputation der BTU weltweit befördert wurde.

Was hat Sie in dieser Zeit am meisten beeindruckt?
Auf jeden Fall ist es das gegenseitige Vertrauen der Forschungspartner und auch die Zusammenarbeit mit anderen UTC-Forschungszentren. Zugleich ist es das mittlerweile fast freundschaftliche Verhältnis mit Entscheidungsträgern von Rolls-Royce. Auf dieser Basis können wir auch mittel- und langfristig planen.

Haben Sie zu allen 31 UTCs Kontakt?
Nicht zu allen, zur Hälfte aber ganz sicher. Einmal im Jahr wird zu einem Treffen der UTC-Direktoren eingeladen, meistens in England, wo alle Chefs der 31 Forschungszentren und ihre Counterparts von der Firma zusammenkommen und eher strategische Fragen beraten.

Sie forschen zurzeit an Verdichter-Rädern aus einem Stück. Welche Vorteile hat die Neuentwicklung?
Integrale Rotoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie zum einen leichter sind und zum anderen, dass sie höhere Drehzahlen ermöglichen, so dass die Schaufelblattspitzen mit Überschallgeschwindigkeit rotieren. Ein weiterer Vorteil liegt in einer verbesserten Strömungsführung, was die energetische Effizienz weiter steigert. Modernste Fertigungstechnik erlaubt sogar eine kostengünstigere Herstellung aus einem Stück.

Ist Rolls Royce hierbei der Konkurrenz voraus?
Alle Triebwerkshersteller versuchen permanent, sich technologisch an vorderster Front zu positionieren. Jeder Hersteller hat hierbei seine eigenen Philosophien und Besonderheiten.

Muss die BTU ihren Status als UTC verteidigen, und wie stehen die Chancen für die neue BTU?
Bisher haben wir uns recht gut geschlagen in dem weltweiten UTC-Netzwerk. In jedem Jahr wird jedoch evaluiert, wo welche Forschungsergebnisse herauskommen. Da kann man durchaus auch angezählt werden, wenn Leistungen nicht stimmen. Das war bisher für unser UTC aber noch nicht der Fall.

Wie viel BTU fliegt in Rolls-Royce-Triebwerken?
Das ist schwer zu sagen. Aber die BTU fliegt natürlich mit. Sie ist sehr stark im Designprozess vertreten. Heute müssen die Hersteller schnell auf Kundenwünsche reagieren. Für den Entwurf neuer Triebwerke oder Komponenten hat die BTU viele Programmpakete entwickelt, die teilautomatisiert und mit Hilfe mehrkriterieller Optimierungsstrategien Lösungen liefern. Darüber hinaus haben wir bei den Schaufelschwingungen grundlegende Verbesserungen entwickelt, die zurzeit im Test sind. Alle Forschungen laufen im UTC unter einem Professoren-Quintett: Klaus Hölscher, Dieter Bestle, Christian Hentschel, Irene Krebs und mir mir sowie den vielen höchst begabten jungen Doktoranden.

Was bedeutet das Jubiläumsthema "Luftfahrt im digitalen Zeitalter" für die BTU?
Unsere bisherigen vier Forschungsprogramme zu "Virtuelles Triebwerk" wurden vom Entwurfsprozess bis zur ganzheitlichen Betrachtungsweise bereits digital unterstützt. Mehr lässt sich zurzeit an der BTU besichtigen.

Mit Prof. Arnold Kühhorn

sprach Christian Taubert