Über Nacht wurde der Titel "Ein himmelblauer Trabant" ein Hit, der die Sächsin ein Leben lang begleitete.
Junge 25 Jahre war sie damals, als ihr mit dem Schlager "Ein himmelblauer Trabant" der Durchbruch gelang. "Ich wollte den Titel eigentlich gar nicht singen", gibt sie zu. "Man musste ja rund 15 Jahre warten, ehe man das Auto kaufen konnte. Und ich sollte nun frisch-fröhlich den Trabi bewundern?" Weil ihr aber die von Rudi Werion komponierte Melodie gefiel, nahm sie das Lied schließlich auf. Auf Anhieb startete sie mit ihm in den Hitparaden durch. Es wurde im DDR-Fernsehen bei der Gala "Einmal im Jahr" als zweitbester Schlager des Jahres ‘71 gekürt. Das brachte ihr Schallplattenverträge, Titelseiten auf Zeitschriften und monatlich über 20 Live-Auftritte bei Veranstaltungen zwischen Rostock und Suhl ein. "Und meine große Liebe", ergänzt die gebürtige Crimmitschauerin augenzwinkernd. "Natürlich fuhr ich mit eine m Trabi von Gastspiel zu Gastspiel, über 50 000 Kilometer im Jahr", erinnert sie sich. "Nach einem Auftritt im Steintorvarieté Halle streikte mein Auto. Der Keilriemen war gerissen. Der Artist Landfried Hilscher wollte den Trabi reparieren. Zwar bekam er es nicht hin, doch ich heiratete Landfried trotzdem", erzählt Sonja Schmidt lachend.
Sie hat sich über all die Jahrzehnte ihr Traumgewicht von rund 50 Kilogramm und ihre Ausgeglichenheit bewahrt. Sie ließ sich nicht verrückt machen, als nach dem himmelblauen Trabant kein wirklich großer Hit mehr folgte, den jeder Schlagerfan nachpfeifen konnte. Deshalb spezialisierte sie sich neben ihren 60 Schlagern auf Parodien, ahmte u. a. Vicky Leandros oder Zarah Leander nach. In der schwierigen Wendezeit gab sich das Traumpaar der ostdeutschen Künstlerszene gegenseitig Halt. Ehemann Landfried Hilscher sattelte auf Versicherungskaufmann um. Mit der Ostalgiewelle nahm Sonja Schmidt ihren größten Hit neu auf und eroberte mit ihm noch einmal die Herzen der Schlagerfreunde.
Heute genießen die Chemnitzer das Rentner-Leben. "Es nützt doch nichts, den guten alten Zeiten hinterherzutrauern. Lieber Lebens-Lust statt Bühnen-Frust", meint Sonja Schmidt und verrät, dass sie jeden Tag lange schläft und anschließend mit ihrem Landfried im Bett frühstückt. Gemeinsam wandern sie gern durch die Alpen. Aber einmal im Jahr gönnen sie sich den Trabi-Fahrspaß. Dann borgt sich die Schlagersängerin einen himmelblauen Trabant aus und fährt mit ihm quer durch Sachsen. Ganz klar, dass sie dabei ihr erfolgreichstes Lied auf den Lippen hat.