Irgendwann an diesem Mittwochabend steht im Zeitgeschichtlichen Forum ein älterer Herr im Publikum auf und äußert seinen Unmut über das aktuelle Zeitgeschehen. Fritz Hähle, oben auf dem Podium, nickt besänftigend und klärt auf: "Leider ist es nicht so einfach, eine Partei zu verbieten." Der CDU-Grande Hähle meint nicht etwa die rechtsextreme NPD, sondern die Linke.

"Hat der Bürger noch die Wahl?"

Dass die CDU-Landtagsfraktion gerade am 17. Juni zur Diskussionsrunde über die SED-Nachfolgerpartei lädt, hat nicht nur historische Gründe. Über der Einladung steht die Frage: "Rot-Rot-Grüne Bündnisse - Hat der Bürger noch die Wahl?" Die Antwort ergibt sich in dieser Runde von selbst. Natürlich kann eine Koalition nichts taugen, wenn die Linken ihre Finger im Spiel haben. So sieht es Fritz Hähle, der ehemalige Chef der CDU-Landtagsfraktion - so sieht es auch Frank Kupfer, der amtierende: "1989 hätte kaum jemand gedacht, dass sich die SED-Nachfolger langfristig im politischen System etablieren könnten", sagt Kupfer den 150 Leuten im Saal. "Doch das, was viele Menschen damals für unmöglich gehalten haben, ist eingetreten."

Nach 25 Jahren Regierung sehen sich Sachsens Christdemokraten von der roten Brigade eingekreist. Rot-Rot-Grün hat in Thüringen übernommen. In Sachsen-Anhalt, wo noch der CDU-Mann Reiner Haseloff regiert, könnte 2016 das Gleiche passieren. In Brandenburg reichen seit Langem SPD und Linke zum Regieren, ohne Grün.

In Sachsen selbst reichen bis auf Weiteres Linke, SPD und Grüne zusammen der CDU nur bis zur Schulter. Aber da hört die Sicherheit schon auf. Denn das kommunale Kronjuwel ist der Regierungspartei soeben verloren gegangen. Noch ist zwar nicht klar, wer neuer Oberbürgermeister von Dresden wird - doch von der CDU wird er nicht sein. Kandidat Markus Ulbig holte im ersten Wahlgang am 7. Juni desaströse 15,4 Prozent. Noch am Wahlabend stieg er aus. Eine Einigung mit dem deutlich erfolgreicheren bürgerlichen Kandidaten Dirk Hilbert (FDP) kam nicht zustande. Damit wird wahrscheinlicher, dass ein rot-rot-grünes Bündnis auch in der Landeshauptstadt siegt.

In der Not greift die Union nun zum bewährten Mittel der Rote-Socken-Kampagne. In der Schusslinie die Linken - im Blick die Grünen und vor allem der Koalitionspartner SPD. Die Linken, sagt CDU-Fraktionschef Kupfer auf dem Leipziger Podium, "vereinnahmen Menschen und vereinnahmen jetzt auch andere Parteien". Die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld wundert sich, wie es den Genossen gelingen konnte, "sich unter die Demokraten zu stellen", und gibt die Antwort gleich selbst: Die Partei verberge ihre Systemwechsel-Ambitionen geschickt hinter der Kümmerer-Fassade. Dahinter jedoch "steckt tatsächlich noch der alte SED-Staat", sagt die die 63-Jährige, die erst für die Grünen, dann für die CDU im Bundestag saß, und immer noch gern irritiert.

NPD-CDU-Allianz in Erfurt

Beispiel Eisenach: Dass sich dort im Stadtrat jüngst eine Allianz aus NPD und CDU gegen die Linken-Oberbürgermeisterin formiert hat, findet Lengsfeld "verständlich". Und beklagt dann: "Die RAF musste noch Banken überfallen, um an Geld zu kommen, heutige Radikale müssen bloß Förderanträge stellen."