Was passiert mit den syrischen Flüchtlingen, wenn die ersten von ihnen Ende des Monats in Sachsen ankommen?
In der Regel werden die Familien sofort dezentral untergebracht in Wohnungen. Wenn der Flüchtlingsstatus geklärt ist, was in diesem Falle der Fall ist, dann wollen wir, dass diese Menschen gleich in Wohnungen untergebracht und dann sozial begleitet werden.

Meine Gespräche mit den Landräten und den Oberbürgermeistern in den kreisfreien Städten sagen immer, sobald geklärt ist, dass die Flüchtlinge bei uns bleiben, dass dann auch die Integration geräuschlos funktioniert.

Ganz geräuschlos verläuft die Integration von Ausländern in Sachsen aber nicht immer. In der Bevölkerung gibt es Proteste gegen ihre Unterbringung. Wie sieht es da bei den syrischen Flüchtlingen aus?
Wenn sie einmal auch die Begleitung der Politik und der Öffentlichkeit mitverfolgen, dann werden sie erkennen, dass ein Großteil der Bevölkerung diese Menschen als willkommene Flüchtlinge sieht, an denen wir zeigen, wie wir uns solidarisch mit der Situation und der Tragik in Syrien verhalten. Und das zeigt sich, indem wir uns auch für Flüchtlinge öffnen. Kirchengemeinden gehen auf sie zu, es gibt runde Tische vor Ort. Hier agieren wirklich die Bürgerinnen und Bürger und wollen den Menschen helfen, Teil von unserer Gesellschaft zu werden.

Was liegt dieser Willkommenskultur zugrunde? Warum werden andere Asylbewerber, die häufig auch auf der Flucht vor Verfolgung sind, mitunter anders empfangen?
Ich formuliere das mal ganz salopp: Das ist der Unterschied zwischen gebetenen und ungebetenen Gästen. Die Syrier, die haben wir hergebeten. Wir haben gesagt, das sind Menschen, die wollen wir aktiv zu uns holen. Und bei den anderen Asylsuchenden müssen wir uns daran gewöhnen, dass wir sie nicht eingeladen haben, dass sie aber trotzdem bei uns wohnen.

Wegen des Krieges sind Millionen Syrer auf der Flucht, auch im eigenen Land. Deutschland hat nun die Aufnahme von 5000 Flüchtlingen zugesagt. Ist das aus Sicht des sächsischen Ausländerbeauftragten genug?

Das ist eine Frage, die ist, glaube ich, nicht beantwortbar. Ich würde auch dafür werben, dass Deutschland sich stark macht innerhalb der EU, dass die EU sich zu einem größeren Kontingent von Flüchtlingen aus Syrien bereiter klärt. Die Aufteilung der Flüchtlinge müsste dann wieder nach dem Bevölkerungsschlüssel der Länder in der EU erfolgen. Alle europäischen Mitgliedstaaten sind gefordert, ihren Teil für die Linderung der Not der Syrer zu leisten. Es kann nicht sein, dass nur eine Handvoll sich dabei wesentlich beteiligt und die anderen europäischen Länder stehen tatenlos bei. Hier ist die EU gefordert, auch der Welt ein Zeichen zu geben, wie man mit Flüchtlingen umgeht. Und in dem Maße, in dem die EU hier deutliche Zeichen setzt, werden auch andere Teile der Welt sich öffnen für die Flüchtlinge aus Syrien.

Mit Martin Gillo

sprach Martin Fischer