Er lässt seinen Stollen in einer stillgelegten Zinnmine reifen.

„Wir lagern unseren Grubenstollen im Bergwerk für vier Wochen bei konstant fünf Grad. Dadurch wird der Stollen herrlich mürbe“, berichtet Wunderlich. Fünf Jahre hat er allerdings gebraucht, bis er den idealen Standort in dem 80 Meter tiefen und von Schächten durchzogenen Bergwerk im Vogtland-Gebirge bei Schneckenstein gefunden hatte.

Grund für die langwierige Suche waren die unterschiedlichen mikroklimatischen Bedingungen unter Tage. Diese hätten sich manchmal schon an der nächsten Biegung geändert, sagt er. „Mal war es zu feucht, und unser Stollen schimmelte. Ein anderes Mal gab es zu viel Zugluft, und das ganze Aroma war weg“, berichtet Wunderlich.

Am Ende habe er sich für einen Platz am Ende der 700 Meter langen Zinnmine entschieden. „Gleich neben dem Oberhammer stimmte alles. Und die Grubenluft dort verleiht dem Stollen ein ganz besonderes Aroma“, sagt Wunderlich.

Überzeugt vom besonderen Geschmack des Grubenstollens sind mittlerweile auch andere. So erhielt Wunderlich für sein Produkt in diesem Jahr auf der Stuttgarter Südback, der bundesweit größten Fachmesse für das Bäcker- und Konditorenhandwerk, den Stollen-Zacharias-Preis. Die Auszeichnung, die alljährlich an Innungen und Bäckermeister verliehen wird, gilt in der Zunft als „Stollen-Oscar“.

Nach Angaben der Jury ist Wunderlich erst der zweite Sachse, der mit dem 1990 erstmals ausgelobten Preis ausgezeichnet wird. Im Jahr 2000 wurde die Ehre einem Bäcker aus Annaberg-Buchholz im Erzgebirge zuteil, ansonsten ging Sachsen als das selbst ernannte Mutterland des Christstollens in der Kategorie Einzelbäcker leer aus.

Für Wunderlich selbst ist die Ehrung vor allem der Lohn für lange Mühen. Bereits mehrfach hatte er sich um den Preis beworben. „Schon seit Jahren sind wir mit dabei, aber immer waren andere besser. Das hat uns angespornt“, sagt Wunderlich.

Sein Durchhaltewillen zahlt sich für den Bäcker aus dem Vogtland nunmehr auch finanziell aus. „Mit der Auszeichnung haben wir auf einen Schlag 20 Prozent mehr Bestellungen als in den Jahren zuvor“, sagt Wunderlich, der bis Weihnachten rund 3000 Stollen in die Schneckensteiner Grube eingefahren hat.