Die RUNDSCHAU sprach mit dem Bremer Wirtschaftswissenschaftler. Nach Angaben der Wirtschaft gehen 40 Prozent der deutschen Exporte per Flugzeug ins Ausland. Was bedeutet die Zwangspause am Himmel für diese Branche?
Die Außenwirtschaft ist dramatisch betroffen. Man darf ja nicht vergessen, dass die deutsche Exportwirtschaft auch deshalb so gut dasteht, weil sie für ihre Lieferpünktlichkeit bekannt ist. Noch problematischer ist aber die Situation bei den Importen.Das müssen Sie erklären.
Die deutsche Automobilindustrie, ein Herzstück des Exports, ist in starkem Maße auf elektronische Steuerungselemente aus Asien angewiesen. Da diese Lieferungen nach dem Prinzip "Just in time" funktionieren, kommt es bei längeren Flugausfällen schnell zu Engpässen, die zu kompletten Produktionsausfällen führen können. Darüber hinaus wird es auch zu massiven Lieferschwierigkeiten für die Feinkostküche, die Nobelrestaurants kommen. Das betrifft vor allem Austern und hochwertigen Fisch.Bei der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise schien das Schlimmste überstanden zu sein. Droht uns ein nachhaltiger Rückschlag?
Wenn das Flugverbot anhält, wird man auch die Wachstumsprognose für Deutschland, die die Forschungsinstitute kürzlich mit 1,5 Prozent plus angegeben haben, nach unten korrigieren müssen. Nach unserer Modellrechnung wäre nach einigen Wochen mit einem Abschlag von bis zu einem Prozentpunkt zu rechnen. Zum Teil fehlen ja Beschäftigte, die jetzt noch im Ausland fest sitzen. Auf der anderen Seite sinkt die Produktion wegen der Zulieferungsprobleme aus dem Ausland. Gleichzeitig können viele Waren nicht ins Ausland geliefert werden. All das sind massive Rückschläge für die deutsche Konjunktur.Eine Arbeitsgruppe der Bundesregierung, eine Task-Force, soll Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft entwickeln. Was ist hier denkbar?
Ich kann mir gut vorstellen, dass wir staatliche Überbrückungssubventionen benötigen, um Schlüsselunternehmen wie etwa die Lufthansa nicht pleite gehen zu lassen. Hier geht es ja nicht um Missmanagement, sondern um eine Naturkatastrophe. Ein staatlicher Fonds für in Not geratene Betriebe ist da sicher geboten. Nötig wären auch Pläne über die Zuteilung nach Dringlichkeit von Fahrten mit dem Zug, wenn der Flugverkehr längere Zeit ausfällt. Mit Rudolf Hickel sprach Stefan Vetter