Herr Gerber, einen Flussabschnitt für 30 Millionen Euro zu renaturieren - was ist daran bedeutsam?
Das wissen die Menschen hier am besten. Die Spree ist die Lebensader der Lausitz. Eine intakte Flusslandschaft ist wichtig für Erholung und Tourismus, aber auch für unsere Identität. Einzigartig ist aber vor allem die Größe des Projektes - sowohl von der Fläche als auch vom Finanzvolumen her. Wir hatten bisher in Brandenburg noch kein Vorhaben einer solchen Dimension. Und das Besondere hier war zudem, dass viele einzelne Bausteine zusammengefügt wurden, um ein großes Mosaik zu vollenden: die Revitalisierung eines großen Flussabschnittes.

Kennen Sie die Spreeaue früher und heute?
Die Umbauaktivitäten zogen sich über acht Jahre hin. Ich war in den letzten Jahren immer mal wieder in der Gegend und habe gestaunt, wie Natur wieder sicht- und erlebbar gemacht werden kann. Das, was wir heute hier bewundern, ist ein Grund zum Feiern und wird noch Generationen Freude bereiten.

Sehen Sie in der Ausgleichsmaßnahme - Spreeauen-Sanierung gegen Wegbaggern der Lakomaer Teiche - ein Beispiel für andere Eingriffe des Menschen in die Natur in Brandenburg?
Jeder weiß: Wir waren und sind dieser Landschaft hier in der Lausitz vieles schuldig. Immer fordern die Tätigkeit und das Leben der Menschen von der Natur Tribut. Ob Siedlung oder Gewerbe, Verkehr oder Landwirtschaft - alles das brauchen wir, aber das hat auch Folgen für die Umwelt. Deshalb ist ein angemessener Ausgleich für Eingriffe in die Natur aus gutem Grund auch gesetzliche Verpflichtung. Er dient dem langfristigen Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Ein Wort noch zum konkreten Beispiel: Ich bin beeindruckt von der Gründlichkeit, mit der sich Vattenfall dieser Verpflichtung gestellt hat. Natürlich ist eine Ausgleichsmaßnahme immer nur die zweitbeste Lösung gegenüber dem Erhalt ökologisch hochwertiger Lebensräume. Aber die Lakomaer Teiche gelten auch deshalb als kompensierbar, weil sie ursprünglich von Menschenhand geschaffen worden waren.

Wann hat sich die Renaturierung in der Spreeaue letztlich gelohnt?
Die ganze Mühe hat sich dann gelohnt, wenn die Menschen es annehmen und sich das Gebiet langfristig und dauerhaft ökologisch entwickelt. Das kann viele Jahrzehnte oder länger dauern. Im Moment sehen wir die ersten Erfolge: Eine Flusslandschaft wurde auf einem längeren Abschnitt renaturiert, die Spree und ihre Aue wurden umgestaltet. Nun muss und kann die Natur wieder das Ihre tun.

Mit Albrecht Gerber

sprach Christian Taubert