Mit der neuen Parteichefin Johanna Wanka ist ein neuer Politikstil eingezogen. Sie will mit Leistung überzeugen, auf Koalitionen Rücksicht nehmen "und nicht auf den politischen Gegner eindreschen". Deshalb auch belässt sie es am Mittwochabend in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) beim 9. CDU-Aschermittwoch bei einem sanften Seitenhieb auf Koalitionspartner SPD. "Ich bin jetzt im Land so beliebt wie Frank-Walter Steinmeier - was habe ich falsch gemacht?", ruft sie den rund 900 Gästen an den Biertischen zu, die mit Beifall und Gelächter reagieren. Dagegen bekommen die Linken, besonders Landtagswahl-Spitzenkandidatin Kerstin Kaiser, eine volle Breitseite ab. "Je bekannter Frau Kaiser wird, desto unbeliebter ist sie", zitiert Wanka aus einer Umfrage und fügt hinzu: "Rot-Rot in Brandenburg wäre kein Neuanfang, sondern ein Schicksalsschlag." Für ihren Generalsekretär Dieter Dombrowski ist alles andere als die Fortsetzung der Großen Koalition in Brandenburg sogar "eine Tragödie". Und Wanka hat den Saal, in dem wieder 1000 Liter Bier über den Tresen gegangen sind, hinter sich, als sie stimmgewaltiger als sonst ausruft: "Eine sozialistische Kaiserin, das wäre ein Treppenwitz der Geschichte." Für Hauptredner Jürgen Gehb, den rechtspolitischen Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, ist das eine Vorlage mit Blick auf die Aussichten der Linkspartei bei der Landtagswahl im Saarland. Oskar Lafontaine - für Gehb "eine Mischung aus Rosa Luxemburg und Radio Luxemburg" - und "die Linken können nicht rechnen". Wobei Wanka vor einem Saarbrücker Kabinett mit Lafontaine und Gysi weniger bange ist: "Die schmeißen hin", setzt sie eine Pointe, mit der sie die Lacher auf ihrer Seite hat.Der von der neuen Parteichefin eingeleitete Aufbruch im Umgang miteinander hat aber noch längst nicht alle CDU-Spitzen erreicht. Zwar sitzen sie im Vergleich zum Vorjahr - als die Lager von Junghanns und Petke eine Festzeltgarnitur Abstand zueinander hielten - nun wieder an einem Tisch beieinander. An einem Strang mit Wanka wollte Michael Stübgen dennoch nicht ziehen. Gerade von der Parteichefin wegen seines Korruptionsvergleiches von SPD-Ministern mit den Zuständen in Bulgarien zurückgepfiffen, nutzte der ortsansässige Bundestagsabgeordnete die Karnevalsatmosphäre zum Nachkarten. SPD-Finanzminister Rainer Speer hätte ihm vor Wut eine Briefbombe per Fax senden wollen. Das sei so daneben gegangen, dass Speer nun an beiden Händen verletzt sei. Darüber konnten weder Wanka noch Jörg Schönbohm, der "Einheizer" von einst, lachen. Deftig wie das Essen, das sie gerade verspeist hatten, hätten sich die rund 250 Besucher des Politischen Aschermittwochs in der Cottbuser Kantine der Deutschen Bahn auch die Rede von Berlins scheidendem Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) gewünscht. Doch dessen moderater Vortrag über die Gründe der Finanzkrise ließ gepfefferte Antworten vermissen. Im Gegenteil: Sarrazins Analyse war so saftlos wie der etwas zu trocken geratene Grünkohl.Dabei hatten sich die drei Einlader in ihren Vorreden zuvor noch um scharfen Witz bemüht. Karnevalsgerecht präsentierten sich Handwerkskammer-Präsident Peter Dreißig, Ulrich Fey, Präsident der Industrie- und Handelskammer Cottbus, und RUNDSCHAU-Geschäftsführer Andreas Heinkel als Lausitzer Pendant zum Kölner Dreigestirn. Dabei wies Dreißig der "jungen Führungskraft" Heinkel die Rolle der Jungfrau zu. Umgekehrt sah Heinkel in dem Bäckerei-Filialen-Betreiber Peter Dreißig den Bauern perfekt personifiziert, "deftig, wehrhaft, ein Verwerter von Schrot und Korn." Blieb Ulrich Fey die Rolle des Prinzen.Als solcher kündigte Fey den spitzzüngigen Gast aus Berlin, der mit markigen Sprüchen zum Beispiel über Hartz IV-Empfänger für Aufsehen gesorgt hatte, mit viel Vorschusslorbeer an. Auf einen provozierenden Querdenker dürfe man sich freuen. Sarrazin fing auch vielversprechend an, bezeichnete die Berliner als "entsetzlich provinziell". Sie interessierten sich nur für sich selbst. Deshalb seien sie "für den Rest der Welt völlig ungefährlich", machte Sarrazin Werbung für eine Länderehe zwischen Berlin und Brandenburg.Wusste er damit noch zu amüsieren, blickten ihm danach mehr und mehr gelangweilte Gesichter entgegen. Es bringe nichts, auf Verantwortliche der Finanzkrise einzuschlagen, sagte er. Seitenhiebe, passend für einen Politischen Aschermittwoch, blieben so aus. Lieber erklärte der Finanzsenator im Stil einer Vorlesung, was den meisten im Saal längst klar war, und philosophierte über den Menschen an sich, der zum Scheitern verurteilt sei. Als Rede zum politischen Aschermittwoch vor gestandenen Vertretern aus Politik und Wirtschaft war das schwere Kost. Eig. Ber./dpr