Steffen Baumgart, Sie standen beim 1:1 gegen Nürnberg zum ersten Mal in dieser Saison wieder in der Cottbuser Anfangsformation. Waren Sie zufrieden mit dem Comeback?
Ich denke, es war eine solide Leistung. Entscheidend ist aber, dass wir das Spiel leider nicht gewonnen haben.

Sie haben in einem Interview mit dem Fachmagazin "Kicker" kürzlich davon gesprochen, dass Energie wieder mehr Ekel-Fußball spielen muss. Angesichts von nur zwei Punkten aus vier Spielen stellt sich die Frage: War es also zuletzt zu wenig Ekel- Fußball?
Ja! Wobei die Partie gegen Nürnberg eigentlich so war, wie ich mir das vorstelle. Wir haben einerseits guten Fußball gespielt und waren andererseits eklig auf dem Rasen. Es geht ja nicht darum, Geschenke an die Gegner zu verteilen. Das haben wir zuletzt oft genug getan. Im übrigen bitte ich darum, das mit dem Ekel-Fußball nicht falsch zu verstehen.

Sondern?
Ich habe damit gemeint, dass wir als Mannschaft eklig zu bespielen sind. Da müssen wir wieder hinkommen. Jetzt im zweiten Jahr begegnen uns die Gegner mit viel mehr Respekt als einem Aufsteiger. Es kommt keiner mehr hierher nach Cottbus und sagt: Die spielen wir einfach mal an die Wand. Diesen Respekt haben wir uns in der vergangenen Saison erarbeitet. Aber wir müssen jetzt natürlich nachhaken.

Was zeichnet Ekel-Fußball aus?
Wir müssen aggressiv am Mann sein und dürfen dem Gegner keine Luft zum Atmen geben. So wie in vielen Phasen gegen Nürnberg. Sie hatten kaum Zeit, in Ruhe den Ball zu spielen. Das hat in Dortmund nicht so gut geklappt. Da haben wir dem Gegner zu viele Räume gelassen.

Welche Tugenden steuert Steffen Baumgart zu diesem Fußball bei?
Ich bin Teil dieser Mannschaft. Egal, ob ich nun spiele oder nicht. Man sollte das nicht nur auf die elf Spieler in der Startformation reduzieren. Wir sind eine Truppe mit 24 Spielern. Jeder gibt seinen Beitrag. Der eine mehr, der andere weniger.

Haben Sie sich mit der Leistung gegen Nürnberg in der Anfangsformation festgespielt?
Das weiß ich nicht. Darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken. Ich mache mir im Moment mehr Gedanken darüber, dass wir zu wenig Punkte haben.

Auch in der vergangenen Saison galten Sie lange Zeit als Edel-Joker. Jetzt kamen Sie bereits nach vier Spieltagen erstmals in der Anfangsformation zum Zuge. Überrascht?
Ich bin eher überrascht über die Position. Aber der Trainer weiß, das er sich immer auf mich verlassen kann – egal, auf welcher Position. Er weiß auch, dass ich nicht immer fehlerfrei spiele. Aber ich gebe immer mein Bestes.

Warum waren Sie über die Position überrascht?
Weil wir gerade im defensiven Bereich in der Sommerpause doch viele neue Spieler geholt haben.

Sie befinden sich, mit Verlaub gesagt, im Spätherbst Ihrer Karriere. Wie muss man leben, um auch mit 35 Jahren noch in der Bundesliga mithalten zu können?
Ganz normal! Ich esse jetzt nicht mehr Salat als früher. Beim Alkohol und Rauchen konnte ich immer Maß halten. Aber ich trinke nach wie vor abends auch mal ein Bier. Es gibt jedoch keine Exzesse oder sowas. Und ich versuche, mein Gewicht zu halten. Das ist in dem Alter nicht einfach, das muss ich ehrlich sagen. Vor allem aber macht mir der Job unheimlich viel Spaß.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus.
Stimmt, deshalb muss ich auch noch Gas geben.

Wie sehen Ihre Planungen aus?
Ich habe bis zum Sommer einen Vertrag bei Energie. Dann sehen wir mal weiter, was das Leben so bringt. Ich habe jedenfalls nicht vor, dann schon aufzuhören. So lange mich die Knochen tragen, geht es weiter.

Welchen Tipp sollten Ihre 18-jährigen Berufskollegen beherzigen, wenn sie ähnlich lange wie Sie Profifußballer sein wollen?
Die meisten 18-Jährigen kommen ja gar nicht dahin, wo ich jetzt bin. Ich durfte mit 22 Jahren zum ersten Mal in einer Profimannschaft mittrainieren. In dem Alter hören heutzutage viele schon wieder auf, weil sie vielleicht ein oder zwei Jahre mal auf der Bank gesessen haben. Viele sind zu früh zufrieden.

Fragen Sie sich dennoch manchmal frühmorgens, wenn beim Aufstehen die Knochen schmerzen, warum Sie sich das alles noch antun?
Nein, wenn dir die Knochen wehtun, weißt du, dass du noch lebst. Und ich lebe gern, jeden Tag.