Gefunden hat sie ihre Mutter Gabriele Suhr gegen zehn Uhr. Den Anblick wird sie nie vergessen. Gekrümmt lag die Tochter auf dem Fußboden im Wohnzimmer, das Tatwerkzeug daneben. Wie Cäcilia Cramer-Krahforst, Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft, bestätigt, muss es vor dem tödlichen Stich zu einem Handgemenge gekommen sein. Würgemale am Körper der Toten weisen darauf hin. Der Todeszeitpunkt soll etwa gegen acht Uhr gewesen sein.
In der Wohnung war zu diesem Zeitpunkt nur das jüngste Kind Jasin. Der Junge, der in wenigen Tagen ein Jahr alt wird, lag in seinem Kinderbettchen. Die 12-jährige Stephanie war bereits in der Schule und der fünfjährige Maximilian bei der Oma. Gabriele Suhr bringt den Kleinen fast täglich in den Kindergarten in unmittelbarer Nähe der Wohnung.

Spannungen in der Partnerschaft
Kathleen Janke wohnte in einem Neubaublock, gleich im Erdgeschoss. Anwohner beschreiben sie als eher unauffällige Frau. Große Kontakte hätte es zu den Mietern im Haus nicht gegeben, was wohl auch daran lag, dass sie noch nicht lange dort wohnte.
Die 32-Jährige hatte ihre Lehre als Köchin beendet und arbeitete dann in der HO-Gaststätte „Norddeutscher Hof“ , zu DDR-Zeiten ein Renommierobjekt in Bad Liebenwerda. Das Haus war nach der Wende zunächst geschlossen, bevor es ein neuer Besitzer übernahm. Kathleen Janke war arbeitslos geworden, hatte sich aber sofort um einen neuen Job bemüht. Sie schulte zur Einzelhandelskauffrau um und als auch damit keine neue Anstellung zu bekommen war, versuchte sie sich in einem Telefon-Auskunftscenter. Doch auch das ging nicht lange - gut verdient hat sie erst, als sie bei der AOK arbeitete. Bedingt durch die Geburt der letzten beiden Kinder war sie später fast nur noch zu Hause - bekam ab und an nur eine befristete ABM-Stelle.
Eine richtige Familie konnte sie nie gründen. Auch die letzte Beziehung mit einem tunesischen Freund hielt nur etwa zwei Jahre. Wie aus dem Umfeld verlautete, habe der Mann wohl nie akzeptiert, dass es außer seinem zuletzt geborenen Kind noch zwei Kinder gibt, um die sich Kathleen Janke zu kümmern hatte. Die Spannungen seien in den letzten Wochen immer größer geworden. Die 32-Jährige wollte sich trennen. Wie die Mutter der Getöteten erklärte, sei das Verhältnis im Oktober diesen Jahres sogar soweit eskaliert, dass der Stiefvater die Polizei alarmieren musste. Der Freund von Kathleen Janke soll damals in deren Wohnung die Mutter, die ihren Enkel auf dem Arm hielt, mit einer Axt bedroht haben. Die Polizei habe den Mann eine Nacht mit aufs Revier genommen.
Immer wieder soll der Freund versucht haben, mit Kathleen Janke Kontakt aufzunehmen. Wie Gabriele Suhr bestätigte, habe er am Tag, bevor ihre Tochter getötet wurde, auch bei ihr angerufen. Ob er an diesem Tage auch die Tochter in deren Wohnung aufsuchte, weiß sie nicht. Eines ist ihr jedoch aufgefallen, als sie die Leiche ihrer Tochter entdeckte. Da stand auch ein nagelneues Dreirad in der Wohnung - wie sie weiß, wollte der Freund das seinem Sohn zum ersten Geburtstag schenken. Die Staatsanwaltschaft hält sich zum Tathergang und möglichen Tatverdächtigen bedeckt. Wie die Mutter erklärte, soll es eine neue Beziehung zu einem anderen Mann nicht gegeben haben.

Enkelkinder geben Halt
Für Gabriele Suhr wiegt der Verlust ihrer Tochter doppelt schwer. Erst im September 2001 hatte sie ihren Sohn Torsten bei einem Verkehrsunfall verloren. Tränen steigen ihr in die Augen, als sie leise sagt: „Beide sollten wohl nur 32 Jahre alt werden.“ Halt nach dem Tod von Torsten waren für sie vor allem ihre Enkel Stephanie und Maximilian. Besonders der Fünfjährige sei emotional stark bei der Oma gewesen. „Omi, jetzt muss ich dich eben beschützen“ , soll er geäußert haben. Gemeinsam mit Stephanie sind die Eltern von Kathleen Janke gestern im Beerdigungsinstitut gewesen. Die Tochter wollte aussuchen, was ihre Mutter auf ihrem letzten Weg tragen soll.
Bernd Suhr, 50 Jahre alt und seit 1990 mit der zwei Jahre älteren Ga briele verheiratet, spricht das Thema an, das sie jetzt sehr berührt: Beide haben sich gestern sofort um das Sorgerecht für die Kinder bemüht und es noch mit Urkunde und Stempel zumindest vorläufig erhalten. „Unsere Anwältin, die Frauen im Jugendamt und auch auf dem Gericht helfen uns wirklich, wo sie können“ , sagen beide gestern etwas erleichtert. Doch da bliebe die Frage: Wie lange? Schließlich hätten sie doch selbst auch keinen Job.
Bernd Suhr: „Die Kinder haben uns schon beim Tod des Jungen Halt gegeben - sie waren es, die uns wieder aufgebaut haben.“ Und er fügt leise an: „Wenn meine Frau die Kinder nicht behalten darf, das verkraftet sie nicht.“ Gabriele Suhr ergänzt unter Tränen: „Dann können sie mich gleich mit in die Kiste werfen.“