Notärzte versorgen mehrere Flüchtlinge inmitten von Touristen vor dem Brandenburger Tor. Seit Tagen befinden sich rund 30 Asylbewerber auf dem Platz vor Berlins Wahrzeichen nach eigenen Angaben im Hungerstreik. Am Montag kündigten sie an, auch nicht mehr zu trinken. Sie liegen notdürftig auf Pappen zwischen Pfützen auf dem Pariser Platz.

Am Dienstag - gerade als sich Linke-Chef Bernd Riexinger bei ihnen informieren will - lassen bei einigen die Kräfte nach. Sieben Asylbewerber kommen mit schlimmen Kreislaufbeschwerden in Krankenhäuser, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagt.

Die Flüchtlinge fordern, dass ihre Asylanträge anerkannt werden und hoffen, dass ihr Anliegen bei der Bundesregierung Gehör findet. Doch Riexinger macht angesichts der aktuellen politischen Situation wenig Hoffnung.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums betont, dass Deutschland seine humanitären Pflichten sehr ernst nehme. Ob jemand nach den international anerkannten Regeln Hilfe bedürfe, werde im Asylverfahren geklärt. "Das Asylverfahren gilt für alle gleich. Eine bevorzugte Prüfung bestimmter Asylanträge geht immer auf Kosten anderer Antragsteller."

Die Flüchtlinge vor dem Brandenburger Tor sind aus Bayern auf die große politische Bühne der Hauptstadt gekommen. Nach eigenen Angaben stammen sie aus ganz unterschiedlichen Ländern. Einige seien schon seit mehreren Jahren in Deutschland und hätten vergeblich versucht, Asyl zu bekommen.

Hunger- und Durststreiks seien keine Lösung, sagt ein Sprecher der Integrationsbeauftragten des Bundes, Maria Böhmer (CDU). "Niemand sollte seine Gesundheit und sein Leben aufs Spiel setzen." Für die politischen Forderungen der Flüchtlinge gebe es dagegen "Grundsympathien" im Berliner Senat, sagt dessen Sprecher Richard Meng. Nach den schrecklichen Ereignissen vor der italienischen Insel Lampedusa sei allen klar, dass die Asylpolitik die eine oder andere Korrektur vertragen könne. Das zeichne sich auch in den Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Bundesregierung ab.

Am gestrigen Dienstag liegen die besonders schwachen Flüchtlinge unter Wärmedecken, bis die Rettungswagen vorfahren. Bernd Riexinger steht etwas hilflos daneben, hilft dabei, eine Decke auszubreiten. Die Lage zeige, wie verzweifelt die Flüchtlinge seien, sagt er später. Ihnen müsse dringend geholfen werden. "Sie riskieren hier ihr Leben."

Normalerweise könne ein Mensch nur wenige Tage ohne Wasser überleben, sagt der Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten, Wolfgang Wesiack. In Extremfällen seien es zehn bis zwölf Tage. Wie ernst der Zustand der Flüchtlinge in den Kliniken ist, bleibt unklar. Die übrigen sitzen am späten Dienstagnachmittag noch immer auf den Pappen am Pariser Platz und trotzen dem Regen.