US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat seinen Vergleich von Deutschland mit Kuba und Libyen relativiert. Die Unterstellung, er habe Deutschland damit isoliert, sei „falsch und möglicherweise sogar mutwillig“ , sagte er gestern in Rom. „Es gibt offensichtlich enorme Unterschiede zwischen diesen Ländern.“ Der US-Verteidigungsminister hatte am Donnerstag gesagt, mit der strikten Ablehnung eines Irak-Krieges stehe Deutschland auf einer Stufe mit Libyen und Kuba.Ein Großaufgebot an Polizisten bewacht den „Bayerischen Hof“ , in dem die Sicherheitskonferenz stattfindet.Von Donald Rumsfeld dürften die Münchner während der Sicherheitskonferenz am Wochenende wenig zu sehen bekommen: Vor dem ersten Besuch des US-Verteidigungsministers in Deutschland seit Beginn der Verstimmungen zwischen beiden Ländern hütete die Polizei sowohl dessen genaue Ankunftszeit als auch die genaue Anfahrtsroute wie ein Staatsgeheimnis. Zudem wird der Konferenzort weiträumig abgeschirmt; die eingesetzten 3500 Beamten sind wegen der Angst vor Gewalttätern in erhöhter Alarmbereitschaft. Gestern blieb die Lage allerdings zunächst ruhig. Dafür wuchs in der bayerischen Landeshauptstadt das Kopfschütteln über eine Reisewarnung der USA für München.
Die Sicherheitskräfte in München konzentrierten sich bei ihren Konferenz-Vorbereitungen darauf, neben den übrigen etwa 200 Militärs und Politikern vor allem den US-Verteidigungsminister zu schützen. Dessen jüngste deutschland-kritische Äußerungen würden vermutlich für eine „zusätzliche Emotionalisierung“ der angekündigten Demonstrationen sorgen, sagte Beckstein. Die bereits vorher erlassenen Sicherheitsvorkehrungen für die Konferenz sollten aber zunächst nicht noch weiter verschärft werden.
„Rumsfeld ist in München so sicher wie in Abrahams Schoߓ , gab sich ein Beckstein-Sprecher zuversichtlich. Das Tagungshotel Bayerischer Hof in der Innenstadt wurde weiträumig für den Verkehr abgeriegelt. Alle 396 Suiten und Zimmer der Nobelherberge wurden für die Konferenzteilnehmer geräumt, nur fünf Stammgäste dürfen auch am Wochenende im Hotel bleiben. Mit der Absperrung wollen die Beamten auch die zwei Großdemonstrationen gegen einen Irak-Krieg möglichst weit von der Konferenz fernhalten, die am Samstag in der Innenstadt angemeldet sind. Dazu werden laut Polizei mindestens 13 000 Menschen erwartet. Unter ihnen sind auch eine Reihe von US-Bürgern, die gegen die Irak-Politik ihrer Regierung sind. Das „Munich American Peace Committee“ (MAPC) - ein Friedenskomitee aus in München lebenden US-Amerikanern - will mit einem großen Drachen symbolisieren, wie aggressiv ihrer Meinung nach die USA weltpolitisch derzeit auftreten. Im Mittelpunkt ihrer Kritik sehen die etwa 40 bei der Demonstration erwarteten US-Bürger neben Präsident George W. Bush den Verteidigungsminister aus Washington. „Weil er immer so tobt, heißt unser Spottlied über ihn: ,Oh, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumsfeldchen heiߑ“ , sagte Richard Forward vom MAPC. Seine Äußerungen zu Deutschland hätten dabei das Fass zum Überlaufen gebracht. „Als US-Bürger schämen wir uns dafür.“ Beschämend findet Forward auch die vom US-Außenministerium vor einer Woche ausgegebene Reisewarnung für die Münchner Innenstadt für das Konferenz-Wochenende. „Das ist lächerlich“ , meinte Forward und betonte, dass weder er noch seine Mitstreiter in München je mit Anti-Amerikanismus konfrontiert waren. Seiner Meinung nach soll damit die „Angstpolitik“ der USA fortgeführt werden. Auch Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CDU) brachte die Warnung gehörig auf die Palme. Er nannte sie schlicht „Unsinn“ . Der Law-and-Order-Mann lästerte in Richtung der USA: „Ich bin mir sicher, dass amerikanische Staatsbürger in München sicherer sind, als wenn sie in San Francisco oder Los Angeles spazieren gehen.“