Auf jeder Veranstaltung in Iran wünschen Regierungsanhänger den USA den Tod, in Washington wurde sogar die militärische Option gegen das Land der Mullahs nicht ausgeschlossen. Aber trotzdem will sich der von Washington als "Schurkenstaat" abgestempelte Iran mit den von Teheran als "großer Satan" verdammten USA auf einmal zu Verhandlungen über den Irak treffen - erstmals seit 27 Jahren.
Grund für die überraschende Teheraner Offerte an die Adresse Washingtons: Um die Krise im Irak zu entschärfen, sei man zu offiziellen diplomatischen Kontakten mit den USA bereit. Und weiter: Der auch für Atomfragen zuständige Sekretär des nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, kündigte an, der Iran werde für die Gespräche bald "die relevanten Diplomaten" auswählen. Iran hat sich deshalb zum Gespräch mit dem "Erzfeind" bereit erklärt, weil der Vorsitzende der religiösen Schiiten-Allianz im Irak, Abdul Asis al-Hakim, Teheran um ein solches Treffen gebeten hatte. Da für Teheran die Stabilität des irakischen Nachbarn genauso wichtig sei wie die eigene, wolle man alles daransetzen, um der Regierung in Bagdad zu helfen, so Laridschani.
"Die Rhetorik mehrerer Jahre wird politischen Interessen plötzlich sehr einfach untergeordnet", meint ein osteuropä ischer Diplomat in Teheran. Die USA stünden im Irak vor einer schier unlösbaren Aufgabe und der mächtige schiitische Nachbar Iran könnte mit seinem Einfluss unter den Schiiten im Südirak auch den Amerikanern das Leben erheblich erleichtern, so der Diplomat. Andererseits sieht sich auch der "Gottesstaat" Iran derzeit in einer prekären Situation. Die umstrittene iranische Atompolitik soll im Weltsicherheitsrat debattiert werden. Falls die Urananreicherung nicht bald ausgesetzt wird, drohen Teheran sowohl Handelssanktionen als auch eine politische Isolierung. Trotz der starken Worte Ahmadinedschads will offensichtlich niemand in Teheran den Iran zu einem "islamischen Nordkorea" werden lassen.
Ob angestrebte Gespräche mit dem US-Botschafter im Irak, Zalmay Khalilzad, auch Auswirkungen im Atomstreit hätten, bliebe abzuwarten. "Ich glaube eher ja, denn man kann ja nicht vernünftig und effektiv über den Irak verhandeln, wenn der eine Gesprächspartner (USA) an einem anderen Ort (bei den Vereinten Nationen in New York) Sanktionen gegen den anderen (den Iran) verhängen will", meint ein ehemaliger iranischer Abgeordneter. Beobachter in Teheran gehen sogar davon aus, dass Verhandlungen gerade deswegen vom Iran angeboten werden, weil dessen Kleriker sich davon Vorteile im Atomstreit versprechen. Im Vorjahr wurde der gleiche Vorschlag von Teheraner Seite noch abgelehnt.
"Der arme (Ex-Präsident Mohammad) Chatami hat jahrelang vergeblich versucht, über Reformkurs und Dialog der Zivilisationen die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Und jetzt wird gerade Ahmadinedschad zum Pionier der Revision in den Beziehungen Teheran-Washington", sagt ein iranischer Politologe in Teheran.
Der ultrakonservative Ah ma di nedschad gilt als einer der heftigsten Gegner der USA und hat mehrmals behauptet, dass er gerade wegen seiner anti- amerikanischen Tendenz die Präsidentschaftswahlen im Juni 2005 gegen seinen Rivalen Akbar Haschemi-Rafsandschani gewonnen hat. Rafsandschani hatte für Verhandlungen mit den USA und eventuelle Zusammenarbeit im Irak und im Nahostkonflikt plädiert.