Brandenburg ist laut Bildungsministerin Martina Münch (SPD) Vorreiter beim gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern.

Im Schuljahr 2010/11 wurden 38,8 Prozent der Förderschüler in regulären Schulen unterrichtet. Seit dem Start der Inklusion vor knapp zwei Jahren sei Brandenburg mit einem neuen Lehrerbildungsgesetz und dem Modellprojekt "Inklusive Grundschule" schon sehr weit vorangekommen.

Lob für die Idee

"Das hätte ich gar nicht so zu hoffen gewagt", erklärte Münch am Freitag in Potsdam. Die Gewerkschaft hat aber Zweifel an der Qualität des gemeinsamen Unterrichts.

Die Ministerin betonte aber, die anfängliche Skepsis sei einem konstruktiven Miteinander gewichen, "aber nicht nach dem Motto, dass alles gut ist, sondern dass die Mehrheit sagt, dass sie Inklusion von der Idee her befürworten".

Um noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten, hat ihr Haus am Freitag ein eigenes Internetportal zu dem Thema gestartet. Mit dem Start des Modellprojekts zum Schuljahr 2012/13 sei der Anteil gemeinsam unterrichteter Schüler im Land sogar noch weiter angestiegen.

18 565 Grundschüler nehmen in 84 Bildungseinrichtungen an diesem Projekt teil. Zudem will Brandenburg die Inklusion auch im Unterricht der Sekundarstufe I voranbringen.

Die Rahmenbedingungen sollen jetzt zusammen mit Berlin abgesteckt werden, erklärte Münch. Ein Konzept hierfür soll 2014 vorliegen.

"Schwierige Gefechtslage"

Die Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW) kann diese Erfolgsbilanz nicht teilen. "Es besteht eine schwierige Gefechtslage", erklärte Brandenburgs GEW-Chef Günther Fuchs.

Quantitativ mögen die 38,8 Prozent vielleicht stimmen. "Sie sagen aber nichts über die Qualität aus." Fuchs verweist auf die 117 versprochenen neuen Lehrkräfte. "Kaum einer ist wirklich neu eingestellt worden. Viele Stellen sind einfach andernorts abgezogen worden", beklagte sich der Gewerkschafter. "Wir haben einen Modellversuch, der ehrgeizige Ambitionen beschreibt, die materiell aber gar nicht untersetzt werden", konstatierte Fuchs.

Die grüne Landtagsfraktion kritisierte, wichtige Schritte zur Umsetzung des anspruchsvollen Projektes erfolgten zu spät, zum Beispiel das gerade gestartete Informationsportal. Das hätte es schon vor zwei Jahren, zum Beginn der Pilotphase geben müssen.