Frau Dr. Nitsch, viele Landwirte regen sich darüber auf, dass RTL das Image ihres Berufsstands ruiniert. Zurecht?

Das ist eine schwierige Frage. Ich kann die Aufregung verstehen. Sicher stellt RTL kein repräsentatives Bild der deutschen Landwirtschaft dar. Ob man das aber so ernst nehmen sollte, ist eine andere Sache.

Welches Bild vermittelt „Bauer sucht Frau“?

RTL bedient Klischees von der Bauernhof-Idylle und verzerrt zum Teil die Realität ins Negative. Zum Beispiel werden nur kleine, familiäre Betriebe gezeigt. Den großen Teil bilden in Deutschland aber die industriellen Landwirtschaftsunternehmen. Auch das Bild der Bauern ist grenzwertig. Das sind schon eher die weltfremden, unsicheren und sozial inkompatiblen Typen. In Australien, wo es ein ähnliches Format gibt, ist das ganz anders. Dort stehen die schicken, durchtrainierten jungen Farmer aus dem Outback vor der Kamera.

Wie beeinflusst „Bauer sucht Frau“ das Bild, das sich die Zuschauer von der Landwirtschaft machen?

Die Wirkung läuft über verschiedene Ebenen. Positiv könnte sein, dass die Landwirtschaft mal wieder abseits von Dioxin-Skandal und Milchpreis-Debatte in die Öffentlichkeit kommt. Anderseits besteht die Gefahr, dass der Eindruck entsteht, Landwirtschaft funktioniert bei uns immer noch wie vor 50 Jahren.

Warum schauen viele diese Formate eigentlich so gern?

Weil wir Spaß daran haben, uns über andere zu amüsieren. Vielleicht auch, weil wir in etwas eintauchen wollen, von dem die meisten von uns weit entfernt sind, wie von der Landwirtschaft.

Mit Cordula Nitsch

sprach Juliane Preiß