Für Michael Schierack hört das Touren durch Brandenburg auch nach der Landtagswahl nicht auf. Nachdem die Sondierungen für eine rot-schwarze Regierung in Potsdam gescheitert waren, hat er sich unverzüglich auf den Weg gemacht, die überraschende Absage der SPD in allen CDU-Kreisverbänden zu erläutern. Vor allem, weil Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ihm die Schuld am Scheitern der rot-schwarzen Option zugeschanzt hatte. Der Regierungschef beendete damals die Gespräche mit der CDU, nachdem deren Landeschef ihm zu verstehen gegeben hatte, dass er auch Fraktionschef im Landtag bleiben und nicht ins Kabinett einziehen wolle.

Vier-Augen-Gespräch

"Das ist so nicht richtig. Ich habe grundsätzlich für ein Ministeramt zur Verfügung gestanden. Wir hatten bis dahin jedoch offiziell nie über Personal gesprochen", erläuterte Schierack in den Kreisverbänden. Was in dem Vier-Augen-Gespräch angesprochen worden sei, "da habe ich auf Vertraulichkeit gesetzt". Doch die Schlagzeilen, dass der CDU-Chef im Wahlkampf hatte Ministerpräsident werden wollen und nun zweifele, einen Ministerposten zu übernehmen, waren raus. "Für mich war damit offensichtlich, dass die SPD nur einen Vorwand gesucht hat, Rot-Rot fortsetzen zu können", sagt Schierack im Medienhaus der RUNDSCHAU.

Bei den Vor-Ort-Gesprächen nehme er schon "Frustration wegen der vertanen Chance, mitregieren zu können, wahr". Aber Parteimitglieder und Unterstützer seien auch "sauer, dass Woidke wieder Rot-Rot den Vorzug gibt". Er könne diesen Unmut verstehen und räumt ein, dass es falsch gewesen sei, dem politischen Gegner zu schnell Vertrauen entgegengebracht zu haben. Auch sei seine mediale Reaktion unmittelbar nach den geplatzten Sondierungen nicht optimal gewesen. "Und: Wir hätten in den Sondierungsgesprächen härter auftreten sollen."

Jetzt werde er als Chef der stärksten Oppositionsfraktion die Regierung angreifen. "Mit uns hätte es diesen mutlosen Koalitionsvertrag nicht gegeben", verweist er auf die Bereiche Bildung, innere Sicherheit, Infrastruktur und auf die Kreisgebietsreform. Letzteres Vorhaben, das Rot-Rot offenbar bis zur Kommunalwahl 2019 durchgebracht haben wolle, brauche mehr Zeit: Denn einer Funktionalreform (Wer macht künftig was?) müssten die Einbeziehung der Bürger und eine schnellere Entschuldung von Kommunen folgen. "Die Reform kommt mir vor wie die BTU-Fusion", sagt der CDU-Chef. "Was letztlich herauskommen soll, ist in Potsdam festgelegt. Das machen wir nicht mit."

Dass die im Koalitionsvertrag angegebenen 7800 Polizisten ebenso nicht ausreichen werden wie das 100-Millionen-Euro-Programm zur Reparatur der maroden Infrastruktur, ist für Schierack klar. Und im Bildungsbereich komme das Wort Leistung zu seiner Verwunderung nur einmal, beim Schüler-Bafög, vor. Aber mit den Schulzentren gebe es deutliche Hinweise darauf, dass die Linke ihren Weg zur Einheitsschule durchsetzen wolle. "Hier haben wir auch die grüne Opposition an unserer Seite, diese Entwicklung zu verhindern."

Unruhe in der Union

Nach den Machtoptionen für die CDU in der Zukunft gefragt, zeigt sich der Landesvorsitzende realistisch und schon heute angriffslustig. "Wir müssen so stark werden, dass Rot-Rot 2019 nicht mehr möglich sein darf." Bei seinen Touren durch die Kreisverbände müsse er zunächst aber der Unruhe in der Union begegnen, die die gescheiterten Sondierungen mit der SPD hervorgerufen hätten. Schierack hat aber auch schon die Wahlen 2019 im Blick. "Ich stehe weiter für den Landesvorsitz zur Verfügung."