Wenn also über die Nachfolge von Angela Merkel, Spitzname "Mutti", spekuliert wird, dann fällt auch stets ihr Name. An der 56-Jährigen, so scheint es, wird irgendwann kein Weg vorbeiführen.
Ursula von der Leyen hat daran hart gearbeitet. Gleich zwei neue Bücher beschäftigen sich mit dem "System" von der Leyen. Mit ihrem Hang zur Inszenierung, mit ihrer Kunst, sich der Themen erfolgreich zu bemächtigen sowie ihren möglichen Ambitionen. Nicht zu früh, aber auch nicht zu spät vor der nächsten Wahl 2017 sind die Biografien erschienen - "Operation Röschen" von den "Zeit"-Autoren Peter Dausend und Elisabeth Niejahr sowie "Kanzlerin der Reserve" von den "Focus"-Journalisten Daniel Goffart und Ulrike Demmer. Wer freilich an ein abgekartetes Spiel auf dem Weg zur Kanzlerinnen-Macht glaubt, der irrt: Von beiden Projekten soll von der Leyen nicht gerade begeistert gewesen sein. Vor allem das Werk der Focus-Autoren ist ihr offenbar sauer aufgestoßen. Als es gestern in Berlin vorgestellt wurde, lud die Ministerin zeitgleich zum Hintergrundgespräch ein. Welch ein Zufall. Sie selbst sagt, sie habe die Bücher noch nicht gelesen.
Ob von der Leyen tatsächlich irgendwann auch Kanzlerin wird, da bleiben die Schreiber allerdings lieber vage. Sie begnügen sich mit Szenarien oder Faktoren, die dafür und dagegen sprechen. Was verständlich ist, Festlegungen können leicht ad absurdum geführt werden. Denn Politik ist ein schnelllebiges und unberechenbares Geschäft. Heute ist man oben, morgen ist man unten. Das kann insbesondere für denjenigen gelten, der das Verteidigungsministerium führt. Es hat den Ruf, besonders unbeherrschbar zu sein. Außerdem hat von der Leyen noch ein anderes Problem: es heißt CDU.
Die Ministerin wird in ihrer Partei zwar respektiert, aber nicht geliebt. Da sind sich die Autoren einig. Gerne wird sie deshalb auch mal bei Wahlen auf Parteitagen abgestraft. Von der Leyens Künstlichkeit kann halt auch nerven. Außerdem ist sie in der Union nicht verwurzelt, sie hat keine Hausmacht. Sie ist Quereinsteigerin, obwohl von der Leyen aus einer CDU-Familie stammt. Die Disziplin des Vaters Ernst Albrecht, der von 1976 bis 1990 Ministerpräsident von Niedersachsen war, hat sie geprägt. Doch was tun, um der Partei zu gefallen? Am Ende, so sind sich die "Zeit"-Journalisten sicher, wird von der Leyen sich mehr auf die Union zubewegen müssen und weniger alleine marschieren können. Die Kollegen vom "Focus" glauben indes, dass sie der CDU mit ihrem Modernisierungskurs insbesondere als Familienministerin einen großen Dienst erwiesen hat - der sich auszahlen wird.
Wie dem auch sei, "Röschen" hat es nicht allein in der Hand. So viel steht fest. Dass "Mutti" Merkel ihren Rückzug selbst bestimmen und sich nicht aus dem Amt jagen lassen wird, davon ist in beiden Büchern die Rede. Die Tendenz eines Abgangs geht da eher in Richtung nach 2017, also frühestens zur Mitte der nächsten Legislaturperiode. Außerdem ist nicht nur von der Leyen ambitioniert. An einem anderen kommen auch die Autoren nicht vorbei: an Innenminister Thomas de Maizière.

"Operation Röschen", Campus-Verlag, 19,99 Euro "Kanzlerin der Reserve", Berlin-Verlag, 19,99 Euro.