Herr Rische, die Zahl der Arbeitslosen ist deutlich gesunken. Gleichzeitig entstanden neue Jobs. Trotzdem steigt der Rentenbeitrag 2007 auf 19,9 Prozent. Ist die Rentenkasse ein Fass ohne Boden„
Für die Beitragsfestlegung ist die mittel- und langfristige Entwicklung der Rentenfinanzen ausschlaggebend. Eigentlich hätte der Beitrag schon im laufenden Jahr höher sein müssen. Das wurde nur durch die Entscheidung zur vorgezogenen Fälligkeit eines einmaligen Monatsbeitrags vermieden. Dieses Polster ist schon 2006 um 40 Prozent geschmolzen. Bei knapper Kalkulation könnten wir den Beitrag 2007 nur auf 19,7 Prozent erhöhen, um am Jahresende die gesetzlich vorgegebene Mindestreserve von 20 Prozent einer Monatsausgabe zu garantieren.

Das heißt, die Beitragszahler müssten weniger bluten als bereits beschlossen“
Nein, am Ende wäre die Belastung für die Beitragszahler sogar höher geworden. Denn dann hätten wir den Beitrag für 2008 und 2009 auf 20,1 Prozent anheben müssen. Im Interesse einer Verstetigung hat die Regierung deshalb beschlossen, den Beitrag schon 2007 auf 19,9 Prozent anzuheben. Dadurch hat er bis einschließlich 2010 Bestand.

Nun sind die heutigen Beitragszahler ohnehin skeptisch, dass sie im Alter noch eine nennenswerte Rente bekommen. Können Sie ihnen diese Verunsicherung nehmen„
Das kann ich und wir tun das ja auch regelmäßig, indem wir über die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung Auskunft geben. Nach allen Berechnungen, die sowohl vom Sozialbeirat als auch vom Sachverständigenbeirat bestätigt werden, beläuft sich die Rendite in den kommenden Jahrzehnten auf zwei bis drei Prozent. Das Gerede, wonach die Einzahlungen die Auszahlungen übersteigen, ist völlig unbegründet.

Wann können umgekehrt die heutigen Rentner wieder mit einer Erhöhung ihrer Bezüge rechnen“ Immerhin mussten sie bereits drei Nullrunden in Folge hinnehmen.
Nach allen Berechnungen und unterstellten Modellen kann man wohl im Jahr 2009 wieder mit einer leichten Erhöhung von etwa 0,2 Prozent im Westen und 0,3 Prozent im Osten rechnen.

Vorausgesetzt, die Annahmen werden Wirklichkeit . . .
Natürlich. Grundlage ist eine entsprechende Lohnentwicklung bei den Pflichtversicherten. Zugleich muss die Zahl der Beschäftigten zunehmen. Im aktuellen Rentenversicherungsbericht, den die Regierung heute verabschieden will, gibt es fast ein Dutzend Varianten über die längerfristigen Wirtschaftsprognosen. Auch die Experten wollen sich nicht auf einen einzigen Entwicklungspfad festnageln lassen.

Die Regierung bringt heute auch die Rente mit 67 auf den Weg. Ist die Rentenversicherung damit zukunftsfähig?
Zu Rente mit 67 gibt es sicher unterschiedliche Meinungen. Bei allen Experten, die sich damit beschäftigen, herrscht aber Einigkeit darüber, dass es sich um eine Möglichkeit handelt, den Anstieg des Beitragssatzes zu dämpfen und gleichzeitig ein vertretbares Rentenniveau zu halten. Davon macht die Regierung jetzt Gebrauch.

Durch die langfristige Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 soll der Beitragssatz nach Berechnungen Ihres Hauses im Jahr 2030 um 0,5 Prozentpunkte niedriger liegen als nach den geltenden Altersgrenzen. Das klingt nicht viel.
Ich wundere mich über diese Diskussion. Wenn heute der Beitragssatz um 0,1 Prozentpunkte steigt, dann ist das schon eine Katastrophe. Nun sagen wir, im Jahr 2030 kann ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte vermieden werden. Das ist doch keine Kleinigkeit. Berücksichtigt werden muss auch, dass es bei der Rente mit 67 Ausnahmen geben soll, die eine größere Beitragsdämpfung verhindern. Das betrifft zum Beispiel die Rente für Versicherte mit 45 Beitragsjahren. Auch das ist eine vernünftige Entscheidung der Politik.

Mit HERBERT RISCHE
sprach Stefan Vetter