Nach seiner 45 Kilometer langen Alleinfahrt kam der damals 26-jährige Drogan vor Francis Vermaelen aus Belgien und Jürg Brüggmann aus der Schweiz ins Ziel. „Bernd war kein Sprinter“ , erinnert sich sein damaliger Trainer Eberhard Pöschke. „Wir haben deshalb in fast jedem Rennen versucht, die anderen vorzeitig abzuhängen“ , so der 71-Jährige, der damals nicht in das englische Goodwood durfte. „Bernd war durch seine Willensstärke und seinen großen Kampfgeist dafür prädestiniert.“
Drogan hat zwar in der DDR nie die große Popularität eines Gustav-Adolf „Täve“ Schur oder eines Olaf Ludwig erreicht. Trotzdem schrieb der heute 51-Jährige mit seiner inzwischen fast legendären Alleinfahrt wie seine Mitstreiter Sportgeschichte und war nach Heinz Müller (1952/Profirennen), Rudi Altig (1966/Profirennen), Schur (1958, 1959) und Bernhard Eckstein (1960) erst der fünfte deutsche Weltmeister auf der Straße.
„Der Radsport hat hohes Durchsetzungsvermögen erfordert. Ich habe beruflich und geschäftlich schon einige Tiefschläge erlitten und wäre ohne den Sport wohl manches Mal zu Boden gegangen“ , sagt Drogan rückblickend. 1986 beendete der für den SC Cottbus fahrende Drogan seine Karriere. Der Diplom-Sportlehrer arbeitete nach einem Intermezzo als Cheftrainer einige Jahre als Sportartikelhändler in Cottbus, ehe er als Trainer an den Olympiastützpunkt (OSP) Cottbus/Frankfurt (Oder) zurückkehrte. „Radsport ist wie eine Sucht. Du kommst nicht davon los. Drei Viertel meines Lebens waren vom Radsport geprägt.“
Im OSP ist Drogan verantwortlich von der Aufnahme der Sportler in die Sportschulen bis hin zur Ausprägung der Spitzenleistungen in den einzelnen Disziplinen auf der Bahn und auf der Straße. „Seine heimliche Liebe gilt aber dem Bereich der Talentfindung. So sieht man Bernd auch oft bei Werbeveranstaltungen für den Radsport in den 4. und 5. Klassen der Grundschulen im Land Brandenburg“ , sagt Lothar Heine, OSP-Bereichsleiter in Cottbus.
Noch heute, 25 Jahre nach seinem Triumph, wird Drogan hin und wieder erkannt und auf seinen Sieg angesprochen. Die eigenen Gedanken an das Rennen in Goodwood, bei dem er acht Sekunden Vorsprung ins Ziel rettete, sind verblasst. Sein Regenbogentrikot hat Drogan dagegen griffbereit, die Goldmedaille ist indes seit einiger Zeit an eine Ausstellung verliehen. Nur eines kann dem Cottbuser auch nach 25 Jahren niemand nehmen: die Erinnerung an ein Stück Sportgeschichte und, so Drogan, „den absoluten Höhepunkt in meinem Sportlerleben“ .

Zur Person Bernd Drogan
 wurde am 26. Oktober 1955 in Döbern geboren. Neben dem WM-Gold 1982 im Straßenrennen der Amateure gewann er außerdem im Mannschaftsfahren zwei Weltmeistertitel und eine olympische Silbermedaille (1980) sowie eine Bronzemedaille im WM-Einzelrennen (1979/Valkenburg). Bei der Friedensfahrt gewann Drogan vier Etappen. An den Olympischen Spielen 1984 konnte er wegen des Boykotts der Ostblockländer einschließlich der DDR nicht teilnehmen. 1979 und 1982 war er Sportler des Jahres in der DDR.