Mehr Selbstbestimmung und Freiheit für die Frauen, sagen die einen. Gesundheitliche Risiken und mehr Abtreibungen, befürchten die anderen. Schon ab Mitte März soll die "Pille danach" ohne Rezept in Apotheken erhältlich sein. Am Freitag hat der Bundesrat dafür grünes Licht geben. Damit sind die Präparate ellaOne mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (UPA) und PiDaNa mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG) künftig verschreibungsfrei abzugeben. Einigen Experten bereitet die fehlende Kontrolle durch einen Arzt Kopfzerbrechen.

Die "Pille danach" dient der Notfallverhütung. Sie soll eine ungewollte Schwangerschaft nach ungeschütztem Sex vermeiden, indem der Eisprung verzögert oder gehemmt wird. Aber das Unwissen sei groß, sagt Experte Werner Harlfinger. "Wir Frauenärzte sind in großer Sorge, dass die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und der Abbrüche steigt."

Gefährliche Substanz

UPA hält der Mediziner sogar für gefährlich. "Die Substanz hat es in sich." Die "Pille danach" gelte als Verhütungsmittel, UPA könne allerdings in großer Menge abtreibende Wirkung haben, erklärt er. Werde nur eine UPA-Tablette mit der 30-Milligramm-Dosis eingenommen, sei die Einnahme sicher. Aber: "Wenn UPA höher dosiert wird und bereits eine Schwangerschaft vorliegt, kann es zu einem Abort kommen, also zu einer Abtreibung und zu lebensbedrohlichen Blutungen für die Frau."

Was kaum bekannt ist: Für schwere Frauen sind die beiden Präparate nicht geeignet. Ab 75 Kilogramm lasse die Wirkung von LNG nach, bei über 90 Kilogramm sei auch UPA zur nachträglichen Verhütung nicht mehr geeignet, warnt Harlfinger. "Es dürfte wohl schwierig werden für den Apotheker, nachts durchs Fensterchen einzuschätzen, wie viele Kilos die Frau vor ihm wiegt." Wer zu Thrombose neige, dürfe kein LNG verwenden, betont der Berufsverband der Frauenärzte.

Leichtsinniger Umgang?

Sorge vor Sorglosigkeit geht um. Am häufigsten nehmen 16- bis 20-Jährige die "Pille danach" ein. "Den jungen Frauen wird es jetzt supereinfach gemacht, ich sehe das sehr kritisch", sagt Hebamme Gaby Robes. "Die Frauen haben eine größere Freiheit. Aber es könnte sein, dass damit leichtsinnig umgegangen wird, auch mit Blick auf Sexualität, auf wechselnde Partnerschaften." Und: "Es ist nicht gut, dass der Austausch mit dem Gynäkologen verloren geht, dass die Frau nicht vorher erfährt: Was macht das mit meinem Körper?"

Die "Pille danach" ohne Rezept werden Frauen selbst bezahlen müssen. Ein Anspruch auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen besteht dem Bundesministerium für Gesundheit zufolge nur nach Verschreibung und für Frauen und Mädchen unter 20 Jahren.