Der "Pflaumentoffel" ist eine typisch sächsische Weihnachtsfigur. Wie Dresdner Christstollen, Pulsnitzer Lebkuchen, erzgebirgische Räuchermänner, Pyramiden und Herrnhuter Sterne gehört er bei den Weihnachtsmärkten in Dresden und Umgebung einfach dazu.
"In der Regel ist der kleine Kerl etwa handgroß und wird aus getrockneten Backpflaumen gebastelt", sagt Jeanette Meska, die mit ihrem Mann Heiko auf dem Weihnachtsmarkt am Goldenen Reiter "Pflaumentoffel" verkauft. Viele Kunden fragten gezielt nach dem Glücksbringer. Anderen, die ihn nicht kennen, erzählt sie seine Geschichte.

Arbeit als Essenkehrer
Der "Pflaumentoffel" erinnert an minderjährige Waisen, die im 17. und 18. Jahrhundert als Essenkehrer arbeiten mussten. Damals wurden die Schornsteine und Feueressen in Sachsen oft von Kindern gekehrt, die durch die engen Schlote kriechen mussten.
Sie galten trotz der schmutzigen Arbeit als Glücksbringer. Gleichzeitig besserten arme sächsische Familien ihren Lebensunterhalt mit dem Basteln von "Pflaumentoffeln" auf, die in der Vorweihnachtszeit verkauft wurden.

Saison beginnt im September
"Ein "Pflaumentoffel" besteht in der Regel aus elf Backpflaumen", sagt Jeanette Meska. Im September begann für das Ehepaar die Saison, die spätestens Heiligabend endet. 500 Kilogramm getrocknete Pflaumen, alle mit Stein, wurden geordert. Nur noch wenige Enthusiasten fertigen in Sachsen "Pflaumentoffel" - meist sind es kleine Familienbetriebe. "Man muss den kleinen Kerl schon mögen, reich wird man durch ihn nicht", sagt Meska.
Innerhalb weniger Minuten spießen geübte Finger die Pflaumen auf die Holzstäbchen - jeweils drei für die Beine, dann je zwei für die Arme und eine für den Körper. Dann kommt eine Papierkugel mit einem lachenden Gesicht als Kopf dazu. Ein schwarzer Zylinder, ein Umhang und die Leiter gehören mit zur Ausstattung. In der Weihnachtssaison 2005 verkaufte das Paar rund 10 000 "Pflaumentoffel". "Außerhalb dieser wenigen Wochen ist damit kein Geschäft zu machen", so Meska.
Die gesunden Glücksbringer sind natürlich für den Verzehr geeignet. In ihre Bastelsets, die die Meskas neben den bereits fertigen "Pflaumentoffel" anbieten, ist deshalb auch immer eine zusätzliche Pflaume für Naschkatzen. Meist verstauben und verschrumpeln die Souvenirs jedoch als Erinnerung an Dresden übers Jahr. In der nächsten Saison gibt es dann frische Glücksbringer.