Die Chance auf eine Polit-Karriere ist für Peter Kopf nur eine Episode aus einer verrückten Zeit. Denn als ihm nach der Wende von der Sachsen-CDU angeboten wurde, Politik zu machen, fiel ihm die Entscheidung nicht schwer. In Cottbus wollte Vater Hans seine Firma für Technische Gebäudeausrüstung von der Treuhand zurückkaufen. "Komme zurück nach Cottbus und übernimm den Betrieb", hatte er dem Sohn vorgeschlagen. Diesem Ruf ist der damals 35-jährige Peter gefolgt: "Als Unternehmer selbstständig sein, das hatte ich mir immer gewünscht."

Dieser Anspruch war natürlich an die Familiengeschichte und die 1933 von Opa Fritz gegründete Cottbuser Firma Kopf geknüpft. Er ist in und mit der Firma aufgewachsen. Bis der Betrieb des Vaters 1972 verstaatlicht wurde. Peter Kopf erinnert sich an eine schwere Zeit für die ganze Familie. "Dass wir die Firma je zurückbekommen könnten, war nie ein Thema", sagt er. Der Vater habe unter dem Verlust sehr gelitten.

Mit 20 Jahren "verabschiedete" sich der Sohn von zu Hause. Als gelernter Anlagenmonteur mit Abitur ging er zum Studium nach Dresden. An der Technischen Universität schloss er als Diplomingenieur im Fachgebiet Technische Gebäudeausrüstung ab. Die Elbmetropole wurde zu seiner zweiten Heimat. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturbauten konnte Kopf am Aufbau der Semperoper mitwirken. "Was ich mir damals schon nicht nehmen ließ: Ich habe neben dem Job als selbstständiger Ingenieur gearbeitet", verdeutlicht er seine Ambitionen.

Start der Firma Kopf

Mit der Reprivatisierung des zu DDR-Zeiten verstaatlichten Familienunternehmens begann für den geschäftsführenden Gesellschafter Peter Kopf eine neue Zeitrechnung. "Ich war Fachingenieur. Aber alles, was da auf uns zukam, war neu." Mit der Einführung der D-Mark am 1. Juli 1990 startete auch die Firma Kopf - in dritter Generation.

In Cottbus hatte sie sich auf den Gebieten Sanitär und Heizung schnell wieder einen Namen gemacht. Heute ist die Firma Kopf mit 50 Mitarbeitern als Experte für Klima, Lüftung und Kälte in einem Gebiet bis Görlitz, Dresden, Leipzig, Halle und Berlin nachgefragt. Trotz der Nachwendewirren hat der damals 35-jährige Geschäftsführer Peter Kopf alles an Weiterbildung in seinem Bereich aufgesogen, was angeboten wurde. Es sei um fachtechnische Dinge ebenso gegangen wie um Steuerrecht, Bankenwesen, Fördermittel oder Auslandsoptionen.

"Ich wollte, dass Jungunternehmern geholfen wird, ihre Firmen zu entwickeln", begründet der Vater von Tochter Juliane und Sohn Matthias sein Engagement für die Gründung der Wirtschaftsjunioren 1992 in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Daraus sei ein Netzwerk von Schulungen und Weiterbildungen für die jungen Leute entstanden, "das mir sehr geholfen hat". Sein Sohn Matthias, der dem Vater heute im Unternehmen den Rücken frei hält für das Präsidenten-Amt bei der IHK, ist inzwischen Chef der Junioren.

Als Peter Kopf Ende 2015 im Präsidium der IHK als Nachfolger von Klaus Aha vorgeschlagen wurde, sei das für ihn schon "eine Anerkennung und Ausdruck von Vertrauen gewesen". Für IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger ist der Mittelständler Peter Kopf ein "Idealbild des Präsidenten einer IHK".

Sein Engagement, die langjährige unternehmerische Erfahrung und die Vernetzung in der Lausitz - alles spreche für ihn, sagt Krüger und fügt hinzu, dass Peter Kopf wisse, wie die Lausitz tickt. "Und er beherrscht das politische Geschäft."

Das kommt nicht von ungefähr. Als Mitglied des Wirtschaftsrates gehört Kopf an der Seite von Vertretern fast aller deutschen Dax-Konzerne einem Gremium an, das die Bundesregierung in wirtschaftlichen Fachfragen berät. Auch darüber wird er am heutigen Mittwoch, einen Tag vor seinem 60. Geburtstag, mit Ministerpräsident Dietmar Woidke sprechen, wenn er beim SPD-Regierungschef in Potsdam seinen Antrittsbesuch macht.

Strukturwandel im Fokus

Ganz oben auf der Agenda des IHK-Präsidenten steht allerdings das Thema "Strukturwandel in der Lausitz". Peter Kopf vergleicht die Aufgabe der gerade gegründeten Innovationsregion Lausitz GmbH, die Wege in die Zukunft der Region nach der Kohle aufzeigen soll, mit der oft komplizierten Suche nach einem Firmennachfolger. Er will sich dafür einsetzen, dass die Lausitz hier an einem Strang zieht. Dass in diesem Prozess kein Angebot ausgeschlossen wird - bis dahin, dass sich Fachkräfte hierzulande in Richtung Polen orientieren könnten.

Für Peter Kopf gibt es noch einigen Gesprächsbedarf in Potsdam. So hat er sich in seinem IHK-Ehrenamt stets für eine Autobahn 16 vom Spreewald-Dreieck nach Leipzig eingesetzt. Elbe-Elster brauche diese Verkehrsanbindung ebenso wie alle, die über die A 13 den Umweg über Berlin oder Dresden in das mitteldeutsche Industriezentrum nehmen müssen. Und er hat eine Studie mit befördert, "die den Schwielochsee zum Vorzeigeprojekt für eine Gewässerreinigung in Brandenburg machen könnte".

Ob er all dies schon beim Antrittsbesuch bei Dietmar Woidke anspricht - Politiker würden eher einen taktisch günstigen Zeitpunkt wahrnehmen. Peter Kopf ist aber kein Politiker.

Zum Thema:
Rund 34 000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen gehören zum Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Unter den IHK-Mitgliedsbetrieben gehören 9438 zum Bereich Handel und 2680 zum Gastgewerbe. Weitere Mitglieder sind in folgenden Wirtschaftszweigen angesiedelt: Verkehr 1714; Energiewirtschaft 1631; Baugewerbe 1513; verarbeitendes Gewerbe 1116; Land- und Forstwirtschaft 534; sonstige Dienstleistungen 15 382 (Stand: Juni 2015).Der IHK-Bezirk Cottbus erstreckt sich vom Landkreis Dahme-Spreewald am Berliner Speckgürtel über den Elbe-Elster-Kreis, Spree-Neiße und die kreisfreie Stadt Cottbus bis zum Landkreis Oberspreewald-Lausitz an die Landesgrenze zu Sachsen.