Akten seien verschwunden und Vorgänge manipuliert worden- das warf die Sachsensumpf-Hauptzeugin Simone Skroch am Mittwoch ihrem ehemaligen Arbeitgeber, dem sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz vor.

Die 53-jährige Juristin saß zum vierten Mal vor dem Untersuchungsausschuss. 2007 wurde die damalige Referatsleiterin im Landesamt vom Dienst suspendiert, nachdem mehrere Medien über kriminelle und korruptive Netzwerke in Sachsen, über dubiose Immobiliengeschäfte in Leipzig und Kinderbordell-Besuche hochrangiger Juristen berichtet hatten.

Sie sieht sich weiterhin als Sündenbock. Der damals neu eingesetzte Landesamtschef Reinhard Boos und sein Vize Olaf Vahrenhold hätten sie im Juli 2007 "einer peinlichen Befragung unterzogen", während sie krank auf den Notarzt wartete. Man habe ihr das Geständnis abpressen wollen, sie hätte die Informationen an die Medien weitergegeben.

Gegen Simone Skroch, die vor ihrer Heirat Henneck hieß, laufen mehrere Verfahren wegen Geheimnisverrats und Verfolgung Unschuldiger.

Im Ausschuss agierte sie entsprechend vorsichtig, verweigerte viele Antworten in der Öffentlichkeit. Ihr Anwalt, der ehemalige Datenschutzbeauftragte Thomas Giesen, ging indes in die Offensive und warf der Staatsregierung und dem Landesamt vor, die Akten aus Skrochs Referat Organisierte Kriminalität nachträglich so geschwärzt und ausgedünnt zu haben, "dass der Eindruck entsteht, meine Mandantin hätte allein gehandelt. Als hätte sie sich gedacht: ,Ich mache jetzt mal was ganz Schlimmes und erfinde, dass Leute aus der Justiz im Puff waren.'"

Mögliche Besuche von einflussreichen Managern, Juristen und Kommunalfunktionären im Leipziger Kinderbordell "Jasmin" waren 2007 Aufhänger für die Sachsensumpf-Affäre.

Im Kern ging es um verworrene kriminelle Machenschaften in den 90er-Jahren, über die der sächsische Verfassungsschutz etliche Regalmeter Akten gesammelt haben soll.

Berichte mehrerer Medien hatten eine Hysterie zur Folge, die sich zwar schnell mangels handfester Tatsachen in Luft auflöste, aber im Landesamt Köpfe rollen ließ: Verfassungsschutz-Präsident Rainer Stock verlor sein Amt und gegen die erkrankte Referatsleiterin Simone Skroch wurde noch auf dem Weg ins Krankenhaus ein Disziplinarverfahren eröffnet, während sie zeitgleich auf einer Pressekonferenz des Innenministeriums "öffentlich hingerichtet" worden sei. Der Vorwurf: Sie habe die Aussagen eines einzigen Informanten, der von kriminellen Machenschaften berichtete, für bare Münze genommen und lanciert. Das wies sie auch am Mittwoch zurück, sie habe mehrere Informanten befragt und nichts lanciert. Während die CDU Simone Skroch als irrlichternde Ermittlerin hinstellt, sieht die Opposition sie als Bauernopfer für weitreichendes Behördenversagen.

Ihr Ex-Chef Rainer Stock sprach vergangenen Februar im Ausschuss lediglich von "diffusen Hinweisen" auf ein Geflecht korrupter Kreise, die seinem Amt vorlagen. Die hätten jedoch nicht für einen konkreten Anfangsverdacht gereicht.

Sein Haus hätte wohl "Jahre gebraucht, um festzustellen, ob was dran ist oder ob es sich um bloße Behauptungen handelt". Noch immer ist nicht geklärt, ob die einzelnen Fallbereiche, die im Gesamtpaket 2007 als Sachsensumpf Medienkarriere machten, tatsächlich einen Komplex ergeben.