Stimmt es tatsächlich, dass islamistische Fanatiker die Maschinen kaperten und daraufhin in die Zwillingstürme steuerten„ Steckt wirklich der Top-Terrorist Osama bin Laden hinter den Anschlägen in den USA“ Und was wusste die Bush-Regierung vorab„ Skeptiker, Zweifler, auch Verschwörungstheoretiker, sie haben so kurz vor dem Jahrestag des 11. September Hochkonjunktur. Das Internet ist ihr Medium. In Berlin treffen sie sich nun an diesem Wochenende zu einem Symposium. Teilnehmer aus aller Welt werden erwartet und sie wollen die für sie offenen Fragen zu den Terroranschlägen diskutieren.
Eine Liste voller Fragen
"Was wissen wir nach zwei Jahren mehr, was wir nicht schon zwei Tage danach wussten“", sagt Mathias Bröckers, Bestsellerautor und Referent bei der Veranstaltung zu den Attentaten. Nichts, suggeriert er als Antwort.
Zwei Bücher hat Bröckers zum 11. September geschrieben, vom ersten gingen über 100 000 Exemplare über die Ladentheke. Zornig wird er, wenn man ihn Verschwörungstheoretiker nennt - "die offizielle Version, dass Osama und die 19 Räuber sich das in einer Höhle ausgedacht haben, ist die eigentliche Verschwörungstheorie", entgegnet er vehement den zahlreichen Kritikern, die die Inhalte seiner Bücher als Hirngespinste abtun. Ein Liebling der Journaille ist Bröckers nämlich nicht gerade, weil er wie viele andere auch auf einem schmalen Grat orakelt. "Wir vertreten keine Theorie", stellt er trotzig fest. Man hake nur kritisch nach.
Beispiele„ Eine Liste mit den vermeintlich "wichtigsten bisher unbeantworteten Fragen" haben die Organisatoren des Symposiums verfasst.
"Wie konnten die angeblich vorher ahnungslosen Geheimdienste wenige Stunden nach den Anschlägen 19 Terroristen zweifellos benennen“", ist darauf zu lesen. "Wie kann man in einer Privatflugschule in kurzer Zeit solche Flugerfahrung sammeln„", heißt es weiter. Oder: "Wieso versagte ausgerechnet an diesem Tag die gesamte Flugabwehr“" Und: "Ist es Zufall, dass das Pentagon-Flugzeug ausgerechnet einen Gebäudeflügel rammt, der sich in Renovierung befindet„"
Vielen dieser Fragen liegt jedoch oft der Glaube zugrunde, dass hinter den Anschlägen eine ausgeklügelte Geheimdienstoperation steckt, mit der die Regierung von US-Präsident George W. Bush ihre Neuordnung der Welt habe vorantreiben wollen.
Fest steht - und das ist durch zahlreiche journalistische Recherchen mittlerweile belegt - der 11. September hätte in dieser Form in der Tat verhindert werden können, wenn nicht Hinweise und Warnungen an die US-Geheimdienste in den Wind geschlagen worden wären. Und wenn es nicht zahlreiche Pannen im Vorfeld gegeben hätte. Aber ob auch das stimmt, was Michael Ruppert glaubt, einer der bekanntesten Skeptiker in den USA und Teilnehmer des Symposiums“ "Bush hat die Anschläge in Kauf genommen", ist er sich sicher. Starker Tobak.

An der Grenze zum Absurden
Zweifler und Skeptiker, sie wandeln eben meist hart an der Grenze zum Absurden. Das war beim Tod von Lady Diana so, zuletzt sogar beim Selbstmord des FDP-Politikers Jürgen W. Möllemann. Zwischen Wahrheit und gesponnener Theorie zu unterscheiden, fällt wohl oft schwer.
Das gilt auch für den ehemaligen Forschungsminister Andreas von Bülow (SPD), der sein im Juli erschienenes Buch zum 11. September bereits 70 000 Mal verkauft hat. Darin vermutet er hinter den Anschlägen eine Geheimdienst-Intrige und spekuliert, dass das World Trade Center zusätzlich gesprengt worden sein könnte. Ins Pentagon sei kein Flugzeug gestürzt, glaubt Bülow überdies. Knallhart belegen kann er seine Thesen aber nicht.
Gerhard Wisnewski ist ein weiterer Autor, der derzeit mit seinem Werk zu den Attentaten erfolgreich ist. "Wir wissen, dass es so, wie man es uns erzählt, nicht gewesen sein kann", sagt der Journalist - um gleichzeitig von ferngesteuerten und unbemannten Flugzeugen auszugehen, die ins World Trade Center geflogen seien. Echte Beweise sind auch hier Fehlanzeige.