Frau Wagenknecht, Sie haben gerade erfolgreich ihre Doktorarbeit abgeschlossen. Darin untersuchen Sie das Sparverhalten privater Haushalte in Deutschland und den USA. Was ist daran so interessant?
Nur wer reich ist, kann auch viel sparen und über Zinsen und Dividenden seinen Reichtum weiter vermehren. Dadurch verschärft sich die Ungleichheit und es kommt zu Finanzblasen und Krisen, weil es für den überschüssigen Reichtum gar nicht genug rentable Anlagemöglichkeiten gibt.

Von Griechenland wird erwartet, durch hartes Sparen die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Kann das gelingen?
Nein. In Griechenland waren die Sparauflagen so hart, dass die Wirtschaft kollabiert ist und die Steuereinnahmen eingebrochen sind. Ergebnis der Kürzungspolitik war eine rasante Zunahme der griechischen Schuldenlast: Seit 2010 ist die Schuldenquote von 130 auf 180 Prozent des Bruttoinlandsproduktes gestiegen. Absolut ist der Schuldenberg um 60 Milliarden Euro gewachsen. Hinzu kommt, dass die griechische Gesellschaft in Anarchie verfällt, die Lebensperspektive von Generationen wurde zerstört. Die Linke hat vor diesen Folgen gewarnt, denn wir kennen sie aus der eigenen Geschichte. Schließlich waren die Erfahrungen mit der Sparpolitik eines Reichskanzlers Brüning katastrophal.

Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Sparpolitik?
Griechenland braucht dringend einen Schuldenschnitt, statt immer neuer Kürzungsauflagen. Statt Hedge Fonds und privaten Banken jetzt auf Kosten des europäischen Steuerzahlers die alten Griechenanleihen zu völlig überhöhten Kursen abzukaufen und ihnen so Traumrenditen von bis zu 100 Prozent zu finanzieren, hätten die privaten Gläubiger zu einem vollständigen Verzicht auf alle Forderungen gezwungen werden müssen.

Mit Sahra Wagenknecht sprach Alexander Dinger