Ein UN-Experte kennzeichnet eine El-Samud-2-Rakete in einer Fabrik bei Bagdad. Die Waffen, die jetzt zerstört werden sollen, sind eine Weiterentwicklung der sowjetischen Scud-Raketen, deren Reichweite vom Ladegewicht abhängt.Nichts scheint die USA noch von einem Waffengang abbringen zu können. Und die Anzeichen verdichten sich, dass der Krieg noch im März beginnen könnte. In einem Brief an die UN-Kontrollmission Unmovic erklärte die irakische Regierung gestern, sie sei "im Prinzip" zur Verschrottung der Raketen bereit, die laut Experten die zulässige Reichweite von 150 Kilometern überschreiten. Da Bagdad zugleich Gespräche mit den UN-Inspektoren über die Modalitäten der Verschrottung forderte, löste dies zunächst Spekulationen aus, dass Saddam Hussein weiter auf Zeit spiele.

Saddams Zugeständnis
Jedoch ließ er tags darauf die Erklärung nachschieben, dass die Zerstörung der mehreren Dutzend Raketen bereits heute beginnen könne, gemäß der von Chefinspektor Hans Blix gesetzten Frist.
Dass diese Zugeständnisse in Washington noch einen Sinneswandel bewirken, scheint ausgeschlossen. Schon Donnerstagabend erklärte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, die Verschrottung der El Samud ändere nichts am irakischen Verhaltensmuster: "Genau so geht das schon seit Jahren." Bagdad sei immer erst dann zum Einlenken bereit, wenn der Druck zunehme. Schon zuvor hatte Präsident George W. Bush betont, die El-Samud-Raketen seien "nur die Spitze des Eisbergs". Es gehe um eine Totalentwaffnung von Irak, und die werde von Saddam Hussein verweigert.
Das irakische Einlenken in der Raketen-Frage liefert zwar neue Argumente für die von Deutschland und Frankreich im Sicherheitsrat angeführte Gruppe, die für eine Verlängerung der Waffeninspektionen eintritt. Doch die USA und ihre Verbündeten im Rat werden sich dagegen auf Passagen des neuen Blix-Berichts stützen, in denen die weiterhin mangelnde Kooperation Bagdads beklagt wird. Der Report soll offiziell am Montag in New York veröffentlicht werden, ist dort jedoch in Auszügen bereits bekannt. Der Chefinspektor kritisiert darin erneut, dass Bagdad zu wenig tue, um die UN-Resolutionen zu erfüllen.
Die deutsch-französische Strategie zielt jedoch darauf ab, den Schwerpunkt der Debatte vom bisherigen Ergebnis der Inspektionen auf ihren denkbaren künftigen Verlauf zu verlagern. Der deutsche UN-Botschafter Gunter Pleuger schlug deshalb vor, die von Blix bis zum 27. März erwartete Vorlage eines Arbeitsprogramms vorzuziehen. Das Kalkül hinter dem Vorstoß: Mit der angestrebten Debatte über ein Inspektorenprogramm für die künftigen Monate soll unterstrichen werden, dass noch nicht alle friedlichen Mittel ausgeschöpft sind und "deshalb nicht bereits zu kriegerischen Methoden gegriffen" werden muss, wie aus dem Umfeld des Sicherheitsrats verlautete. In einer ungewöhnlichen hitzigen Debatte des Sicherheitsrats hinter verschlossenen Türen wurde am Donnerstag deutlich, dass das Gremium tief gespalten ist. Weiterhin haben die USA nur vier der erforderlichen neun Stimmen für eine Resolution zusammen und Frankreich und Russland drohen unverändert mit einem Veto.

USA zu Alleingang bereit
Doch selbst im Falle, dass trotz des enormen Drucks der USA der Widerstand im Rat anhält, wird er doch den Krieg allenfalls verzögern, wohl aber nicht mehr verhindern können. Denn Bush ist unverändert bereit, notfalls auch ohne neue Irak-Resolution in den Krieg zu ziehen, wie er in dieser Woche bekräftigte: Eine Entschließung wäre zwar nützlich, aber nicht erforderlich, sagte er. Die Frage scheint damit nur noch zu sein, wann der Angriff beginnt - ein Eindruck, den auch der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Reinhold Robbe, bei Gesprächen in den vergangenen Tagen in Washington gewann. Nach seiner Einschätzung könnte der Krieg schon "Mitte März" beginnen.