Eine interne Liste führte die Namen von mehr als 200 Städten, in denen die Situation besonders dramatisch war. Die historischen Stadtkerne standen vor dem Verfall. Würde es gelingen, die wertvolle Bausubstanz zu erhalten?

Es ist gelungen, wie Michael Knape, Bürgermeister von Treuenbrietzen und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (AG), am Montag bei der Fachkonferenz und der abendlichen Festveranstaltung im Filmmuseum in Potsdam resümierte: "Noch nie waren unsere Städte so schön wie heute", sagte er und blickte zurück: "Vor 25 Jahren fielen die Häuser auf, die Farbe an der Wand hatten. Heute fallen die auf, die nicht saniert sind." Dahinter stünde eine enorme Leistung von Bund, Land, Kommunen und Privatbesitzern. Dabei sei es von immenser Bedeutung gewesen, dass im Jahr 1991 das Bund-Länderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz" aufgelegt worden ist. Während in vielen Altbundesländern Vorhaben in einer Drittelfinanzierung gestemmt wurden und werden, gelte in den neuen Bundesländern noch immer der erhöhte Fördersatz. Bund und Land steuern je 40 Prozent, die Kommune die restlichen 20 dazu. Von 1991 bis 2016 wurden im Land Brandenburg insgesamt 754 Millionen Euro aus diesem Bund-Länderprogramm für Sanierungsprojekte bewilligt, so Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). Im gleichen Zeitraum seien aus allen Programmen der Städtebauförderung 3,37 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt worden. Weitere 300 Millionen Euro europäisches Fördergeld kämen noch dazu. Nutznießer seien alle Städte Brandenburgs gewesen.

Die Städte der Arbeitsgemeinschaft "Historische Stadtkerne" hätten eine eindrucksvolle Entwicklung genommen. Sie würden heute nicht nur "Anker in der Region", sondern auch "Aushängeschilder Brandenburgs" sein, so die Ministerin. Michael Knape hörte das Lob sehr wohl, um jedoch zu entgegnen: "Wir wollen von der Landesplanung aber nicht nur so genannt, sondern auch so gesehen werden" und er machte eine neue Herausforderung hinsichtlich der verkehrlichen Anbindung deutlich: "Die Städte mit historischen Stadtkernen wollen erreicht werden. Wir haben nicht für die Galerie gebaut, sondern für unsere Bürger und viele Gäste."

Auf der Festveranstaltung wurden die Verdienste des einstigen Luckauer Bürgermeisters Harald Müller, damals Vorsitzender der AG, und Michael Bräuer, Ehrenvorsitzender der Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz im Bundesbauministerium, besonders gewürdigt.

Zum Thema:
Dahme, Luckau, Lübbenau, Peitz, Herzberg, Doberlug-Kirchhain, Mühlberg und Uebigau-Wahrenbrück sind im LR-Verbreitungsgebiet Mitgliedsstädte.Diese Arbeitsgemeinschaften gibt es nur in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, in Sachsen ist das Gremium den Kinderschuhen nie entwachsen.Nach Ansicht der Mitglieder der AG sollte die Förderkulisse weiter aufgeweitet werden. In einigen Kommunen gebe es Sorgen mit der fachlichen Begleitung. "Da erleben wir Einbrüche", so Michael Bräuer von der Expertenkommission.