Grundsätzlich hat Gabriele Dörner "nichts dagegen, dass unsere Branche Mindestlohn zahlt". Trotzdem ist sie pappsatt, die Wirtin vom Landgasthof "Zum Ross" im schönen Elbweindorf Diesbar-Seußlitz (Kreis Meißen). "Ich weiß nicht, ob die Politik weiß, was sie da angerichtet hat."

Die sächsische Gastlichkeit, sie bröckelt. Die Wirte sind wütend. Gert Busch vom Schützenhaus in Pulsnitz hat in 41 Jahren als Gas tronom schon schwierige Zeiten erlebt, "aber die Zeit, die jetzt auf uns zukommt", sagt er, "ist die schlimmste".

Wenig Freude am Beruf

Lust und Freude am Gastronomiegewerbe hätten sich "stark reduziert", merkt Christine Strobach-Knaller in Bad Schandau an, wenn sie im elbnahen Landgasthaus Ziegelscheune den Mindestlohn für ihre Mitarbeiter zusammenrechnet. Wohlgemerkt, auch sie hat prinzipiell nichts dagegen, dass ihre Leute seit Jahresanfang mindestens 8,50 Euro verdienen. Mindestlohn gut und schön, so heißt es aus Sachsens Gastgewerbe, aber bittschön weniger Bürokratie.

Die "schnellstmögliche Entbürokratisierung des Mindstlohngesetzes" forderte am Dienstag Dehoga-Präsident Helmut Apitzsch in Dresden. Dieses zen trale Projekt der schwarz-roten Bundesregierung habe "wirklich richtig negative Auswirkungen". Die hängen, so Apitzsch, nicht nur mit der höheren Bezahlung zusammen. Dass das Gastgewerbe über zu viel Bürokratie klagt, ist nicht neu. Indes sei mit der Einführung des Mindestlohns der Schreibkram noch weiter angewachsen.

Und so legte Dehoga am Dienstag gleich noch einen Katalog mit "Bürokratie und unfairen Wettbewerbsbedingungen" vor, von denen sich die Branche erdrückt sieht. So müsse neuerdings über jede Pause jedes Mitarbeiters Buch geführt werden, berichteten die Dehoga-Wirte einhellig. Hinzu kämen die allergenen Inhaltsstoffe, die für jedes Essen und jedes Getränk aufgeführt werden müssten - um 26 einzelne Stoffe gehe es da inzwischen. Nicht zu vergessen Mitarbeiterschulungen oder die Kontrolle der Schädlingsvorbeugung.

Mehr Geld für mehr Leute

"Wann soll man da noch kochen?", regt sich Bernhard Rothenberger auf. Der Chef des Leipziger Auerbachs Keller hatte indes als Einziger beim Dehoga-Aufmarsch Konkretes am Mindestlohn auszusetzen: "Am Anfang dachten wir: Dann bezahlen wir eben den paar Leuten mehr, die das betrifft." Jetzt sollen alle von Rothenbergers 120 Mitarbeitern mehr bekommen - 50 000 Euro hat ihn das allein im Januar gekostet. "Man kann nicht nur einigen wenigen mehr geben, und alle anderen gucken in die Röhre", sagt der Kellerchef. Und das trotz deutlicher Umsatzeinbußen. Wegen Legida, sagt Rothenberger, kommen jetzt das ganze Jahr über keine Japaner.

Für Dehoga-Präsident Apitzsch geht der Mindestlohn auch finanziell nach hinten los. Viele Gas tronomen, gerade die großen Hotelketten, hätten schon immer mehr als 8,50 Euro gezahlt. Profitieren würden vom Gesetz höchstens die vielen Minijobber im Gastgewerbe. Wie viele das sind, erfasst Dehoga nicht. Sachsens Gastronomie besteht zu 80 Prozent aus inhabergeführten Betrieben mit maximal fünf Mitarbeitern.