Gewählt wurde auch. Bei der SPD wurde am Sonnabend in Görlitz ein zentrales Parteiamt neu vergeben. Daniela Kolbe ist jetzt offiziell die starke Frau an der Seite von Parteichef Martin Dulig. Mit 76,3 Prozent wählten die Genossen die 35-jährige Leipzigerin zur Generalsekretärin. Kein üppiges Ergebnis, doch die Bundestagsabgeordnete Kolbe vertritt den linken Flügel der Partei, die seit einem Jahr in Sachsen mitregiert.

Überhaupt, die Koalition. Wie schwer es war, die Genossen für einen zweiten Regierungsversuch zu begeistern, zeigten schon die vergangenen Parteitage. Groß war die Sorge, ein zweites Mal von der viel stärkeren CDU an die Wand gedrückt zu werden. Aus der ersten schwarz-roten Koalition von 2005 bis 2009 gingen die Sozialdemokraten nicht gerade gestärkt hervor.

Die Zweifel lächelte Parteichef Dulig wacker weg. Als Wirtschaftsminister und Vize-Regierungschef, der er seit einem Jahr ist, besteht Duligs Botschaft aus zwei Wörtern: Wir liefern! Vor den 140 Delegierten klang das aus seinem Mund eher bescheiden: "Wir kommen voran, können erste Erfolge unserer Arbeit verbuchen."

Aber Abstriche gibt es halt auch. Die Erhöhung der Bezüge der Landtagsabgeordneten im April war ein windschiefer Akt, den die Sozis nicht auf sich sitzen lassen wollen. In Görlitz spricht Dulig von einem "Fehler", der nicht ganz freiwillig war. Man ist eben der kleinere Teil der Koalition. "Nicht jeder Kompromiss mit der CDU war ein guter." Jetzt kriegen auch die 18 SPD-Abgeordneten monatlich 1000 Euro an steuerfreier Aufwandsentschädigung mehr.

Die SPD präsentiert sich als der frische, nette und dynamische Teil der Koalition. Was erstaunlich gut funktioniert. Die Chance dafür bietet die Flüchtlingskrise. Während CDU-Innenminister Markus Ulbig das Unterbringungschaos verwaltet, kann die SPD-Integrationsministerin Petra Köpping mit freundlichem Gesicht vermitteln. Parteiinterne Konflikte beim Thema Asyl treten in der SPD weniger offen zu Tage als bei der CDU, wo einzelne Landtagsabgeordnete zu Regierungschef Stanislaw Tillich auf Distanz gehen.

Dulig dagegen konnte einen Mini-Aufstand der Jusos in Görlitz abwehren. Die stören sich an dem de facto Aufnahmestopp, den ihr Landeschef propagiert. "Auf chaotischen Wegen kommen derzeit zu viele Flüchtlinge in zu kurzer Zeit", betont Dulig. Eine menschenwürdige Aufnahme sei vielerorts kaum noch zu schaffen.

Die aufnahmefreudigen Teile der Partei einzubinden, wird Aufgabe der neuen Generalsekretärin. Die nahm sich in ihrer Rede auch gleich die CDU vor. Die sei und bleibe "uns politisch fern und manchmal fremd". Einige dort würden "mit absurden, unrealistischen und unmenschlichen Vorschlägen der vermeintlichen Gefühlslage im Land hinterherrennen". "Die SPD ist die Integrationspartei", sagte Kolbe. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Zugewanderte gegen Mehrheitsgesellschaft ausgespielt werden." Mit einem Gesetz wollen die Sozialdemokraten Integration in Sachsen verbindlich machen. Klar sei die SPD "nicht das Anhängsel der CDU", sondern werde der bei Zukunftsfragen Beine machen.

Das sehen die Grünen anders. Bei deren Parteitag in Großenhain kam die Koalition natürlich viel schlechter weg. "Gut klingende Ansätze werden in den Mühlen der Bürokratie zermahlen", beklagte dort Fraktionschef Volkmar Zschocke ebenso wie eine "gravierende Diskrepanz zwischen Ankündigung und Umsetzung" beim ehemaligen Oppositions-Partner SPD. Anderthalb Minuten mehr Zeit pro Kind und Tag würden als großartige Verbesserung bei der Kita-Betreuung angepriesen, zum Beispiel.

Mit sich selbst sind die Grünen, die vor einem Jahr der CDU einen Korb gaben, rundum zufrieden. Den Weggang von Alphatieren habe man gut weckgesteckt, betonte Zschocke vor 133 Delegierten, ohne die im Unfrieden geschiedene Antje Hermenau beim Namen zu nennen. Ein Linksruck der Partei sei Quatsch - die anderen Parteien rückten eben weiter nach rechts. Die Staatsregierung habe "viel zu lange keine klare Haltung gegenüber rassistischer Hetze und ,besorgten Bürgern' gezeigt", so Landeschef Jürgen Kasek.

Und außerdem: "Wir stehen für zukunftsfähige Wirtschaftsentwicklung in der Lausitz." Die Koalition stehe vor allem für wirtschaftliche Blockade.

Zum Thema:
Die neue Generalsekretärin der Sachsen-SPD ist keine Unbekannte. Seit 2009 sitzt die 35-jährige Daniela Kolbe im Bundestag, seit 2013 ist sie Chefin der Landesgruppe Ost der Partei. Kolbe stammt aus Thüringen, hat in Leipzig Physik studiert. Ihre Parteikarriere begann sie 2004 als Chefin der Leipziger Jusos. Im April brachte sie der Landesverbandschef Martin Dulig als Generalsekretärin ins Spiel. Sieben Monate später hat sie der Sonderparteitag in Görlitz bestätigt. Kolbe hat erst im September eine Tochter bekommen, ihr Lebensgefährte ist Journalist beim MDR. Sie folgt auf Dirk Panter.