. Ministerin Sabine Kunst drängt jetzt aufs Tempo. Und sie hat klare Vorgaben. Am Dienstag stellte sie den weiteren, ehrgeizigen Fahrplan für den Umgang der Ergebnisse der sogenannten Lausitz-Kommission vor. Das von ihrer Vorgängerin Martina Münch (SPD) vor gut eineinhalb Jahren eingesetzte Gremium soll sich Gedanken machen, wie es weitergeht mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus und der Hochschule Lausitz (FH).

"Neuland" ist das Schlagwort, mit dem sie dem Wissenschaftsstandort Lausitz aus der Klemme und ihrem Ministerium aus der schleichenden Kürzung der Ressourcen helfen will. Cottbus und Senftenberg, zwei gefährdete Hochschulstandorte, sollen gesichert werden. Aber wer eine eindeutige Marschroute erwartet, wird enttäuscht. Im Ministerium wird jetzt zunächst der Endbericht der Kommission abgewartet, dann daraus eine Kurzfassung erarbeitet, die zusammen mit den ebenfalls noch nicht fertigen Handlungsempfehlungen im Februar vorgestellt werden sollen.

Klar ist nur eines: Dieser, so Kunst, "Beginn der Diskussion" ist als Auftakt für ein Experiment gedacht. Bislang sei es bundesweit nicht gelungen, die Strukturen von Universitäten und den früher als Fachhochschulen titulierten, heute oft nur noch Hochschulen benannten Einrichtungen befriedigend aufeinander abzustimmen.

Dieses auch in der Lausitz immer wieder angesprochene Problem will die Potsdamer Ministerin jetzt lösen. Und diese Lösung soll unabhängig von den ebenfalls vorangetriebenen Überlegungen zur sonstigen Wissenschaftslandschaft in Brandenburg erfolgen.

Auch dafür gibt es eine von der Landesregierung eingesetzte Kommission. Kunst schließt bei den Überlegungen wenig aus. Die beiden Standorte will sie unbedingt erhalten. Aber sie will sich nicht festlegen, ob die BTU und die Hochschule Lausitz als eigenständige, getrennte Wissenschaftsinstitutionen erhalten bleiben. Was sie auf keinen Fall will, sind zu viele "Dubletten", also sehr ähnliche Studiengänge an den beiden Einrichtungen.

Und nicht nur zur Struktur, auch zu den Lausitz-Inhalten macht Kunst Vorgaben. Sie sollen sich rund um das mit der Energiewende verbundene Geschehen bewegen. In die Ankündigung rutscht dann auch ein Satz von der "Akzeptanz von erneuerbaren Energien". Ein sozial- und politikwissenschaftlicher Schwerpunkt, der bislang so konkret in der Lausitz nicht verankert ist. Kunst sagt, es sei auch möglich, "Neues in die Region zu tragen". Die Akteure dort hätten "die Möglichkeit, das zu füllen". Und der neue Schwerpunkt bedeute nicht, dass andere, "exzellente Bereiche gefährdet sind".

Die Kommission war ursprünglich eingerichtet worden, weil sich die Probleme in der Lausitz von den Wissenschaftsstandorten unterscheiden, in denen rund um Berlin der Sog der Metropole junge Menschen anzieht. Hintergrund sind auch die in Zukunft sinkenden Zahlen von brandenburgischen Abiturienten. Die Kommission, die aus fünf unabhängigen Professoren aus ganz Deutschland unter Vorsitz von Prof. Rolf Emmermann (Vorsitzender des Landeshochschulrates und Gründungsdirektor des GeoForschungszentrums Potsdam) besteht, hat die Lausitzer Hochschulen an verschiedenen Terminen besucht.

Nach der Formulierung der aus der Arbeit dieser Kommission entwickelten politischen Zielvorstellungen soll die gesamte Region ab Anfang Februar in den Diskussionsprozess einbezogen werden.

So will Kunst auch Kommunalvertreter, Parteien und Wirtschaftsverbände der Region beteiligen. Für Mai 2012 erwartet Kunst Ergebnisse und den Beginn der Umsetzung, der dann möglichst von allen Beteiligten mitgetragenen Vorschläge enthält. Einbezogen in diesen Prozess, der auch verknüpft sein soll mit der neuen Energiestrategie des Landes, soll dann auch das Wissenschaftsministerium sein.

Die Hochschulentwicklung in der Lausitz beschäftigt auch die Kommunalpolitik. Der Hauptausschuss der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, in der Januar-Sitzung des Stadtparlaments eine aktuelle Stunde zu dem Thema abzuhalten, wie Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) der RUNDSCHAU ankündigte.