Der Geschäftsführer des Görlitzer Dienstleistungszentrums für Arbeit ist einer der drei verbliebenen Kandidaten, die sich um die Nachfolge des parteilosen Oberbürgermeisters Rolf Karbaum bewerben. Am Sonntag entscheidet sich, wer ab 1. Juli die Geschicke in der östlichsten Stadt Deutschlands lenken wird.

Paulick schaffte 34,1 Prozent
"Bitte auch am 22. Mai" hat Joachim Paulick auf seine Wahlplakate drucken lassen. Der Kandidat der CDU war aus dem ersten Wahlgang am 24. April als Sieger hervorgegangen. Mit 34,1 Prozent bekam der 47-jährige Immobilienwirt die meisten der abgegebenen Stimmen. Da jedoch keiner der damals angetretenen sieben Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte, wird am Sonntag erneut gewählt. Wer dann die meisten Stimmen erhält, wird neuer Oberbürgermeister in der kreisfreien Stadt an der Neiße.
Gegen den Gewinner der ersten Runde hat sich mittlerweile eine Front formiert. Zweifel wurden laut, ob Joachim Paulick für den höchsten Posten im Görlitzer Rathaus geeignet sei und die gut 60 000 Einwohner zählende Stadt nach außen gut repräsentieren könne. Der gebürtige Ludwigsdorfer gilt als bodenständig und bürgernah. Paulick, der für die CDU auch im Stadtrat sitzt, war jahrelang Betriebsratsvorsitzender des Ende 1997 stillgelegten Tagebaus Berzdorf vor den Toren von Görlitz. Seit 2002 kümmert sich der 47-Jährige um die Standortentwicklung im Industriepark Schwarze Pumpe. Verwaltungserfahrung fehlt ihm allerdings bislang.
Davon hat Eberhard Nagel in 27 Jahren reichlich gesammelt, argumentieren dessen Anhänger. Sie haben sich im "Bündnis für Görlitz" zusammengeschlossen, das sich als parteiunabhängige Initiative versteht. Görlitz brauche einen Oberbürgermeister, der ohne lange Einarbeitung eine Verwaltung mit rund 800 Mitarbeitern führen kann. Nagel war von den im Stadtrat vertretenen Bürgern für Görlitz nominiert worden und kam am 24. April auf 19,9 Prozent. Der 54-Jährige leitete seit 1996 die Arbeitsagentur in der Neißestadt. Seit Jahresbeginn ist er Chef des mit der "Hartz IV"-Reform neu geschaffenen Dienstleistungszentrums für Arbeit.

Einstige Mitbewerber im Boot
Das "Bündnis für Görlitz" hat sich nach der ersten Runde der Oberbürgermeisterwahl gebildet. Ihm haben sich sogar drei ehemalige Mitbewerber Nagels angeschlossen, die noch am 24. April antraten, ihre Kandidatur jedoch danach zurückzogen. Neben den parteilosen Einzelbewerbern Hartmut Gottschling und Raphael Schmidt gehört dazu Mirko Schultze von der PDS, der sich eine "bestmögliche Besetzung" an der Rathausspitze wünscht. Selbst der ehemalige CDU-Oberbürgermeister von Görlitz, Matthias Lechner, findet sich auf der Liste der Unterstützer für Nagel wieder. Lechner war 1998 bei einem Bürgerentscheid abgewählt worden. Seine Nachfolge trat Rolf Karbaum an, der seinerzeit von der SPD aufgestellt wurde. Bei der diesjährigen Wahl hatte die Partei zunächst keinem Kandidaten den Vorzug gegeben. Nach der ersten Runde bezogen die Görlitzer Sozialdemokraten jedoch deutlich Stellung für Nagel.
Paulick und Nagel werden die Wahl mit Sicherheit unter sich ausmachen. Der dritte Oberbürgermeisterkandidat, Jürgen Krumpholz (NPD), vermag in das Duell wohl kaum einzugreifen. Er hatte am 24. April mit 3,9 Prozent die wenigsten Stimmen erhalten. Es bleibt spannend, wer am Ende das Rennen macht und wie die Wahlbeteiligung ausfällt. In der ersten Runde lag diese nur bei knapp 47 Prozent.