Am Tag nach der bislang größten Pegida-Demonstration in Dresden tobt der Widerstand "gegen die Islamisierung des Abendlands" in den Internetforen weiter. "Mir ist eine Umnachtung im Abendlied lieber, wie der Einzug vom Morgenland in Sachsen", kommentiert eine Maria A. auf der MDR-Website. "Finde, die Welt ist aufgeteilt und sicher nicht umsonst in verschiedene Kontinente getrennt gewesen."

Das Verhältnis von Orient und Okzident, Islam und christlich geprägtem Europa mobilisierte auch an diesem Montag Tausende von Menschen. Insgesamt 7500 folgten laut Polizeiangaben dem Demonstrationsaufruf des Bündnisses.

Dabei kam es bei der siebten Pegida-Demonstration erstmals zu Blockaden. An die 1500 Gegendemonstranten blockierten die Marschroute und zwangen die Demonstranten zur Umkehr. Doch dass die Zahl der Teilnehmer binnen einer Woche um weitere 2000 anstieg, zeigt, dass alle Beschwichtigungsversuche der schwarz-roten Landesregierung bislang ins Leere liefen. Weder Innenminister Markus Ulbigs (CDU) martialische Ansage, eine Sondereinheit gegen kriminelle Ausländer loszuschicken - die sorgte eher für innerkoalitionäre Verstimmungen. Noch die warmen Worte von Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). Die räumte am Montag im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa ein, dass "in der Vergangenheit zu wenig auf die Probleme eingegangen" worden sei.

Ministerin suchte das Gespräch

Die 56-jährige SPD-Frau, die erst seit drei Wochen im Amt ist, hatte vor einer Woche mit einer Diskussionsrunde in der Dresdner Dreikönigskirche Gesprächsbereitschaft gezeigt. Es kamen 350 Leute, während auf der anderen Elbseite 5500 mit Pegida demonstrierten.

Köpping erinnerte gestern an die per Bundesratsinitiative zugesagten 25 Millionen, die die Kommunen für die Unterbringung ihrer Asylbewerber bekommen sollen. Und deutete weitere Zahlungen an. "Wir müssen uns an der Entwicklung orientieren - daran, wie viele Flüchtlinge noch nach Deutschland kommen." Bis Jahresende werden laut Innenministerium 11 000 Menschen nach Sachsen gekommen sein - 2012 waren es noch 4000. Eine Herausforderung für Kommunen und Landkreise, die sich um die Unterbringung der Antragsteller und um die Integration der anerkannten Einwanderer kümmern.

Doch auch die Asylkonferenz, die Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) in der vergangenen Woche einberief, machte keinen sonderlichen Eindruck auf die Abendlandverteidiger. Deren Organisator, der Dresdner Lutz Bachmann, ging am Dienstag in die Offensive und bekannte sich zu seinem kriminellen Lebenslauf. "Ja, ich bin vorbestraft", erklärte der 41-jährige Dresdner auf seiner Facebook-Seite. Zuvor hatten Medien über Bachmanns Vergangenheit als Geldeintreiber im Rotlichtmilieu Mitte der 90er-Jahre berichtet. Zweieinhalb Jahre saß er dafür im Knast. 2008 folgte eine Bewährungsstrafe wegen Drogenbesitzes. Ob die Pegidas ihrem Wortführer nun das Vertrauen entziehen, bleibt abzuwarten.

Festspielhaus setzt Zeichen

Derweil setzt das Festspielhaus Dresden Hellerau ein Zeichen. Mit der Ankündigung, 20 Flüchtlinge aufzunehmen, meldete sich das weltweit bekannte Musenhaus bei der Dresdner Stadtverwaltung. Wenn dafür der Theaterbetrieb eingeschränkt werden müsse, werde man das hinnehmen. Man sehe sich "als internationales Zentrum, für das der Umgang mit Menschen anderer Kulturen, Nationalitäten, Hautfarben, unterschiedlichster Lebensentwürfe und Lebenserfahrungen selbstverständlich ist", schrieb die Hausleitung an die Stadt.