Also ist die Bühne deutlich kleiner als früher, das Licht viel dezenter, man trägt längst nicht mehr so dick auf als Christsoziale. Zudem ist in der Maß am Rednerpult nun wirklich Bier und nicht wie zu Edmund Stoibers Zeiten gesunder Salbeitee. Nach ein paar Schlucken kommt dem neuen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef auch prompt mal das Sch und mal das L schwer über die Lippen. Aber daran, so stellt sich später heraus, sind Grippeviren und Medikamente schuld. "Ich hab's durchgestanden, danke dem Herrgott", sagt der 59-Jährige zum Schluss. Erleichterung pur.Sicherlich nicht nur aus Krankheitsgründen. Passau, der Aschermittwoch, das ist im Leben eines CSU-Granden immer noch etwas Besonderes. Die Erwartungshaltung der Basis ist nach all den Querelen der letzten Jahre und Monate immens. Seehofer ist der dritte Hauptredner in drei Jahren: nach Stoiber und Erwin Huber. Nun will der einst als Hallodri und jetzt als Querkopf gescholtene Horst die christsozialen Stammherzen gewinnen. Er versucht es mit einfachen, besonnenen Botschaften: "Ich bleibe ein Politiker für den kleinen Mann", ruft er. Zugleich beschwört er geschickt seine eigene, schwere Lebensgeschichte, und den Zusammenhalt der CSU. Das hören die Anhänger gerne. "Fleiß statt Raffgier, Substanz statt Luftnummern" - der Jubel ist groß. Kalauer-Horst greift tief in die Kiste: "Irren ist menschlich, immer irren sozialdemokratisch", zitiert er Franz-Josef Strauß. Der Saal tobt. Oder: Mit der Grünen Claudia Roth gehe "eine Träne auf Reisen". Wieder großes Gelächter. Links und rechts der Bühne flattern im künstlichen Wind erst die bayerische Fahne, dann die der CSU und schließlich hängt da noch ein wenig schlapp das Deutschland-Tuch: "Mit dem Herzen Bayern, mit dem Verstand Deutsche", verkündet Seehofer analog der Fahnenfolge. Die Marschrichtung für Berlin ist damit klar - u nd die CSU-Anhänger sind am Ende von ihrem neuen Vorsitzenden überzeugt.