Eine 31-jährige, schwer krebskranke Freundin begleitet ihn in den Freitod. Zwei Schüsse fallen. „Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war“, schreibt Kleist im Abschiedsbrief an seine Lieblings(halb)schwester Ulrike.

Am heutigen Montag jährt sich der berühmteste Doppelsuizid der Literaturgeschichte zum 200. Mal. In dem Kleistjahr, das Anfang März aus diesem Anlass ausgerufen wurde, hat der Schriftsteller all das, was ihm zeitlebens an Aufmerksamkeit verwehrt wurde, nun im Übermaß erfahren. Unter dem Motto „Krise und Experiment“ lief in den beiden für seine Entwicklung wichtigen Städten Frankfurt (Oder) und Berlin eine große Doppelausstellung. Allein in der Bundeshauptstadt kamen bisher fast 12 000 Besucher. Das Berliner Maxim Gorki Theater konnte mit einem atmosphärisch dichten Kleist-Festival rund 10 000 Gäste anlocken. Und zum Abschluss wird der Dichter an seinem Todestag in einer weltweiten Lesung geehrt. Mehr als 140 Institutionen aus aller Welt haben sich inzwischen angeschlossen. „Das Kleistjahr war ein Erfolg“, sagt Hortensia Völckers, die Künstlerische Direktorin der Bundeskulturstiftung, die die Veranstaltungen mit 2,13 Millionen Euro gefördert hat. „Der Plan ist aufgegangen: Unser Angebot hat ein großes Interesse für diesen schwierigen und bewundernswerten Dichter geweckt.“

Wie viele seiner Protagonisten, so scheitert auch der preußische Offizierssohn Kleist (1777–1811) letztlich an den Herausforderungen der Realität. In der Umbruchzeit der Napoleonischen Kriege jagt er vergebens Glück und Anerkennung nach – ein Gegenbild zu dem schon zu Lebzeiten so erfolgreichen Dichterfürsten Goethe. Die Ruhelosigkeit und Umtriebigkeit seines Lebens schlägt sich auch im Werk nieder, das von 1802 an entsteht. Kleist probiert von der Komödie bis zum Ritterspiel jedes Genre, jedes Thema aus. Nach einem ersten Zusammenbruch 1803 gerät Kleist später immer mehr in die Krise.