Die schweigende Mehrheit müsse sich "entschieden zu Wort melden, damit unsere gesellschaftliche Debatte nicht durch die Hetze und den Hass vergiftet wird", sagte Maas am Dienstag der RUNDSCHAU. Dies bedeute, sich offen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu wehren. "Da sind wir alle gemeinsam in unserem Alltag gefordert, ob in der U-Bahn, auf der Arbeit oder im Sportverein", so der Minister. Zugleich müsse die Politik Ängste und Sorgen der Bürger ernst nehmen, dürfe sie aber nicht schüren.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte kürzlich die Zahl der Übergriffe gegen Unterkünfte von Asylbewerbern von Jahresbeginn bis Mitte Dezember auf 850 Fälle beziffert. Rechtsmotivierte Täter seien für 763 Attacken verantwortlich, erklärte das BKA.

Damit hat sich die Zahl der Übergriffe innerhalb eines Jahres mehr als vervierfacht. Im gesamten Jahr 2014 wurden 199 Straftaten gegen Asylunterkünfte gemeldet, davon waren 177 rechtsmotiviert.

"Wir müssen den rechten Brandstiftern im kommenden Jahr noch entschlossener entgegentreten", betonte Maas angesichts der Entwicklung. Man dürfe nicht zulassen, dass eine radikale Minderheit die freie und offene Gesellschaft kaputt mache. "Auch nicht von den zündelnden Biedermännern bei Pegida und anderswo." Die Botschaft müsse stattdessen sein: "Helft Menschen in Not, statt gegen Flüchtlinge zu hetzen." Wer für sich in Anspruch nehme, für die Werte des christlichen Abendlandes einzutreten, der solle lieber "in den kommenden Tagen in die Kirche gehen und dort oder wo auch immer die Weihnachtsgeschichte hören", forderte Maas.

Zugleich übte Maas scharfe Kritik an der Praxis von Behörden auch in Deutschland, Flüchtlinge unregistriert in andere Staaten weiterreisen zu lassen. "In einem Rechtsstaat können wir die Probleme, die wir in überforderten Behörden haben, nicht dadurch lösen, dass wir das Recht einfach außer Kraft setzen", sagte Maas zu Verstößen gegen das Dublin-III-Verfahren.

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Die Erstaufnahmeeinrichtungen in Sachsen sind derzeit nur zur Hälfte belegt. Zum ersten Mal seit Längerem habe man Kapazitäten, erklärte Innenminister Markus Ulbig (CDU) in Dresden. In den Erstaufnahmeeinrichtungen mit rund 40 Standorten in Sachsen gibt es derzeit Platz für rund 19 600 Flüchtlinge - belegt sind sie aktuell mit 9490 Menschen. Als Gründe nannte Ulbig weniger Neuzugänge im Dezember, einen Ausbau der Kapazitäten sowie eine konsequente Umverteilung. Vom 24. Dezember bis zum 3. Januar will Sachsen keine Asylbewerber verteilen.