Die Diskussionsveranstaltung am Mittwochabend in der Landeszentrale verlief zwar recht ruhig. Doch nun steht das Haus mit einem Schaden von rund 10 000 Euro da. In der Nacht zum Donnerstag wurde die Zentrale im Dresdner Stadtteil Trachau mit Farbbeuteln beworfen. Drei Fenster wurden von Steinen getroffen. Die Dresdner Kriminalpolizei hat einen 23 Jahre alten Verdächtigen ermittelt. "Der junge Mann war in den Morgenstunden im näheren Umfeld des Tatortes von Polizeibeamten kontrolliert worden. Dabei versuchte er vor den Beamten zu flüchten", teilte die Polizeidirektion Dresden am Freitag mit. Inzwischen habe sich der Verdacht gegen den 23-Jährigen erhärtet.

Landeszentralen-Direktor Frank Richter moderiert seit Monaten zwischen den Asylkritikern, den Gegendemonstranten und der Politik. Der 54-jährige Theologe galt seit dem Hochkochen der Demos "gegen die Islamisierung des Abendlands" als einer, der es viel zu gut meint mit der Truppe um Lutz Bachmann.

Eine Breitseite an Empörung fing er sich Mitte Januar ein, als er der Pegida-Spitze sein Haus für eine Pressekonferenz lieh. Da distanzierten sich auch die Kollegen aus der politischen Bildung - von mehreren Landeszentralen und der Bundeszentrale. Geteilt war die Resonanz auf Richters Talkshow-Auftritte. Er erklärte das Phänomen Pegida sachlich, distanziert und facettenreich, brach aber auch immer eine Lanze für die Pegidas. Allen voran für die inzwischen ausgestiegene Mitorganisatorin Kathrin Oertel.

Indes hat der Moderator Ärger von beiden Seiten auf sich gezogen. In einer E-Mail schrieb ihm kürzlich ein anonymer Absender: "Ich hoffe, dass Sie sehr bald am eigenen Leib erfahren mögen, wie wenig ihr Leben wert ist!" In dieser Mail ist auch die Rede von einem "Bürgerkrieg", der "in den Reihen der unzufriedenen Menschen schon längst begonnen" habe.

Dass diese Drohung etwas mit dem Anschlag zu tun haben könnte, hält Landeszentralen-Sprecher Thomas Platz für eine "Interpretation, der wir uns nicht anschließen können". Zum Thema Asyl und Pegida branden Wellen an Mails, Briefen und Anrufen im Haus an. "Einiges davon ist nicht appetitlich", so Platz.

Richter selbst sieht in Zuschriften wie diesen ein Zeichen, dass "das Klima einfach rauer geworden" sei: Er spüre "mehr, Kälte, Härte und Unverschämtheit".