Beamte hatten Zweifel an der Schilderung des Entführungsopfers geäußert und fühlten sich bei ihren Ermittlungen behindert. Sie hätten nicht in Richtung einer vorgetäuschten Straftat ermitteln dürfen, kritische Fragen dazu seien nicht zugelassen worden. Die Instruktion sei von Vorgesetzten gekommen.

Der Kripo-Chef berichtete im Zeugenstand, die Ermittler hätten diverse Varianten der Entführung diskutiert, auch die einer vorgetäuschten Tat. Dafür habe es keine Anhaltspunkte gegeben, sagte er. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft sei deshalb nicht in diese Richtung ermittelt worden. "Das war nicht meine Entscheidung."

Laut Anklage hatte ein Maskierter den Banker mit Waffengewalt aus seiner Villa geholt. Über einen See soll er das Opfer zu einer Schilfinsel geschleppt und dort mit Klebeband gefesselt haben. Das Opfer konnte sich nach zwei Nächten unter freiem Himmel befreien und fliehen. Der Angeklagte, ein 47-jähriger Berliner, soll ein Jahr zuvor auch einen Anschlag auf eine Millionärsfamilie in Ostbrandenburg verübt haben. Der Mann schweigt seit Prozessbeginn. Er ließ erklären, er sei nicht der Gesuchte.

Der Kripo-Chef gehörte zu den ersten Beamten, die damals Kontakt mit dem Entführungsopfer hatten. Der Manager sei sehr euphorisch und nervös gewesen, sagte der Zeuge. Er habe kaum einen Satz zu Ende gebracht. Es schien demnach, als habe er ein schweres traumatisches Erlebnis hinter sich.

D em Angeklagten werden versuchter Mord, versuchter Totschlag, schwere Körperverletzung und räuberische Erpressung vorgeworfen. Der Prozess wird am 12. Februar fortgesetzt .