Am Dienstagabend hatte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei den Verdächtigen in Berlin-Köpenick festgenommen. Er steht im Verdacht, einen Berliner Unternehmer in Storkow (Oder-Spree) entführt zu haben. Zudem soll er in Bad Saarow auf die Tochter einer Berliner Unternehmerfamilie geschossen und einen Wachmann schwer verletzt haben.

Innenminister zur Festnahme: Beharrliche Arbeit hat sich ausgezahlt

Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD ) hat die Festnahme des mutmaßlichen Entführers von Storkow als großen Erfolg der Polizei bezeichnet. „Die beharrliche Arbeit der Ermittler in den vergangenen zwei Jahren hat sich ausgezahlt. Jeder, der kriminelle Taten begeht, muss sich im Klaren sein, dass er früher oder später gefasst wird“, sagte Holzschuher am Mittwoch bei einem Besuch der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder).

Tatverdächtiger verübte drei Delikte - Einzeltäter

Der festgenommene 46-jährige Berliner hat nach Überzeugung der brandenburgischen Polizei drei brutale Überfälle auf verschiedene Mitglieder zweier Berliner Millionärsfamilien verübt. „Er ist für alle drei Delikte dringend tatverdächtig“, sagte der Leiter der Sonderkommission „Imker“, Siegbert Klapsch, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Polizei in Potsdam. Dem Tatverdächtigen werde zur Last gelegt, einen Berliner Investmentmanager im Oktober 2012 in Storkow entführt und ein Jahr zuvor zwei brutale Überfälle auf Mutter und Tochter einer Berliner Millionärsfamilie verübt zu haben.

Inzwischen wurde gegen den Mann Haftbefehl vom Amtsgericht Frankfurt/Oder wegen dreifachen versuchen Totschlags und erpresserischen Menschenraubs erlassen. Er war nach Angaben der Polizei ein Einzeltäter, der vermutlich aus Habgier gehandelt hat. Der 46-Jährige war am Dienstagabend nach monatelanger Observation durch ein mobiles Kommando der Polizei in Berlin-Köpenick festgenommen worden.


Die entscheidenden Etappen im Entführungsfall Storkow


22. August 2011: Die Frau des Berliner Immobilienunternehmers Pepper wird vor der Villa der Familie in Bad Saarow (Oder-Spree) von einem maskierten Unbekannten niedergeknüppelt und schwer verletzt. Drei Hunde der Familie schlagen den Täter in die Flucht.

2. Oktober 2011: Ein maskierter Mann schießt vor dem Bad Saarower Anwesen der Unternehmerfamilie auf die Tochter. Sie bleibt unverletzt, aber ein Wachmann wird getroffen und schwer verletzt. Er bleibt querschnittsgelähmt. Die Polizei vermutet, dass es sich in beiden Fällen um denselben Täter handelt.

9. November 2011: Die Attacken sind Gegenstand in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“. Unmittelbar nach der Sendung gehen 13 Hinweise ein. Die unter Polizeischutz stehende Familie hat inzwischen 50 000 Euro als Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führen. Am 9. Mai 2012 beschäftigt sich die ZDF-Sendung erneut mit den ungeklärten Fällen. Es folgen weitere Fernsehsendungen zur Unterstützung der Fahndung, zum Beispiel im RBB.

18. November 2011: Die Polizei entdeckt in der Rinde eines Baumes auf dem Villengrundstück in Bad Saarow ein Geschoss, das die Unternehmer-Tochter nur knapp verfehlte. Wenige Tage später tauchen Munitionshülsen auf, die Rückschlüsse auf die Tatwaffe zulassen.

5. Oktober 2012: Ein maskierter Mann entführt einen Berliner Investment-Banker aus dessen Haus in Storkow (Oder-Spree). Dabei stürmt er das Gebäude, schießt in die Decke und zwingt die Ehefrau, ihren Mann zu fesseln sowie seine Augen und seinen Mund zu verkleben. Der Entführte muss sich an ein Kanu und später an ein zweites Boot klammern, mit dem der Kidnapper ihn über den Großen Storkower See zu einer Schilfinsel bringt. Er will so eine Millionensumme erpressen. Zwei Tage später gelingt dem Entführten die Flucht.

9. Oktober 2012: Die Polizei geht davon aus, dass es sich in allen drei Fällen um denselben Täter handelt. Entscheidend ist dabei die Übereinstimmung der gefundenen Patronenhülsen.

17. Oktober 2012: Die Vermutung wird durch Gutachten des Landeskriminalamtes zur Gewissheit.

17. September 2013: Die brandenburgische Polizei meldet die Festnahme eines Tatverdächtigen.