Die Stadt will „Marga“ als eine Perle im entstehenden Lausitzer Seenland
bundesweit stärker bekannt machen.


„Marga“ in der Niederlausitz steht in einer Reihe mit der Gartenstadt Margarethenhöhe in Essen und den Kolonien in Dresden-Hellerau und Leipzig-Schönbrunn, die etwa zur gleichen Zeit gebaut worden waren. Die Werkssiedlung „Marga“ entstand von 1907 bis 1914 nach den Plänen des Dresdner Architekten Georg Heinsius von Meyenburg (1870-1930). Er entwarf die Arbeiterkolonie im Auftrag der Ilse Bergbau AG, die dort ihre Mitarbeiter aus dem Braunkohletagebau und der Brikettfabrik unterbringen wollte.

Der Unternehmenschef benannte die Siedlung nach seiner Tochter Marga. „Damit die Arbeiter, die auch aus Großstädten wie Berlin mit den teils schlechten Wohnverhältnissen kamen, sich hier wohlfühlten, wurde in Brieske eine komplette Infrastruktur gebaut“, erläutert der Senftenberger Architekt Wolfgang Joswig. Dazu gehörten Marktplatz, Kaufhaus, Kirche, Schule, Geschäfte, Post und die Gaststätte „Kaiserkrone“. In dem Gasthaus werden immer noch Besucher bewirtet, aber der Saal ist seit Langem baufällig. Auch das frühere Kaufhaus steht leer. Nur an wenigen Stellen in der Werkssiedlung sind noch Spuren des jahrzehntelangen Verfalls aus der DDR-Zeit zu sehen.
Da sich nach der Wende 1989/90 kein Investor gefunden hatte, sanierte und modernisierte die Eigentümerin, die Treuhand-Nachfolgerin TLG, die Gartenstadt selbst. Um das Kleinod der Gartenstadtarchitektur in Deutschland wieder zum Strahlen zu bringen, steckte die TLG seit 1998 umgerechnet mehr als 50 Millionen Euro in das Projekt. Weitere 15 Millionen Euro gab das Land Brandenburg. Die Wohnungen wurden vergrößert und der Wohnkomfort verbessert, auch die Nebengelasse erhielten einen neuen Schliff. Die TLG nahm ortsübliche Mieten, sodass fast alle Wohnungen vermietet sind.
„Wir haben jetzt die Straßensanierung in der Gartenstadt fast abgeschlossen“, berichtet die Senftenberger Baudezernentin Elke Löwe. „Wenn im nächsten Jahr die Umgehungsstraße fertig ist, wollen wir den Durchgangsverkehr aus der Siedlung nehmen.“ Dann könnte in der früheren Schule – wo sich jetzt Vereine angesiedelt haben – auch ein Kindergarten einziehen. Die Stadt will „Marga“ als eine Perle im entstehenden Lausitzer Seenland bundesweit stärker bekannt machen. Bereits jetzt wirbt die Internationale Bauausstellung „Fürst-Pückler-Land“ in der Bergbauregion mit der Gartensiedlung als Teil ihrer Energie-Route Lausitzer Industriekultur.
Sorgenkind bleibt aber der marode Saal der „Kaiserkrone“. Seit einiger Zeit ist deshalb ein „Festkomitee zur Rettung des Saales der Kaiserkrone“ aktiv. „Wir wollen mit Veranstaltungen in diesem Bauwerk die Aufmerksamkeit von Investoren anziehen“, erläutert Komiteechef Erik von Grawert-May. Dafür geht der Professor für Unternehmensethik von der Fachhochschule Lausitz mit gutem Beispiel voran und tritt in dem Saal gelegentlich als Sänger auf. Auch Pläne für eine Tanzschule sind im Gespräch.
Architekt Joswig schwebt derweil vor, die Siedlung mit dem nur einen Kilometer entfernten Touristenmagneten Senftenberger See durch eine Allee zu verbinden. „Dann hätten wir eine See-Gartenstadt“, schwärmt er und setzt noch eins drauf: „Die Gartenstadt „Marga“gehört ebenso wie die Gartenstadt in Dresden-Hellerau auf die Unesco-Liste des Weltkulturerbes.“